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Die
Schöpfungsgeschichte von Heliopolis
Die älteste und wohl bekannteste Schöpfungsgeschichte kommt aus der Stadt
Heliopolis.
Am Anfang war die Erde ein Chaos
aus Urwasser, dem so genannten "Nun". Der Gott Atum ließ aus dem Wasser einen
Urhügel entstehen und ließ sich auf ihm nieder. Atum zeugte durch Selbstbefruchtung oder
durch Vereinigung mit seinem Schatten den Gott der Lüfte Schu und die Feuchtigkeit
Tefnut. Es wurde auch erzählt, dass Atum den Luftgott Schu durch Niesen und die Göttin
Tefnut durch Ausspucken gezeugt hat. Auf jeden Fall zeugten Schu und Tefnut Nut und Geb,
wobei Nut der Himmel und Geb die Erde war. Die wiederum zeugten Osiris, Seth, Isis und
Nephthys. Osiris und Isis zeugten Horus, so dass eine neunköpfige Familie, die sogenannte
Enneade oder Neunheit von Heliopolis entstand.
Bemerkung:
Auf dem Urhügel, so erzählten die Priester, erbaute man später die Stadt Heliopolis.
Bei anderen Städten spielte das Urhügelmotiv ebenfalls eine große Rolle. Verständlich,
da nach dem Zurückweichen der Nilüberschwemmung kleine fruchtbare Hügel oder Inseln
auftauchten.
Die Priester in Heliopolis verehrten den so genannten Benben-Stein. Er galt als Symbol für
den Urhügel, auf dem die ersten Strahlen der Sonne trafen und dem zu Ehren ein Tempel
für den Sonnengott errichtet wurde.
Der griechische Schriftsteller Plutarch (46-120 n.Chr.), der Ägypten bereiste, erzählt
uns noch eine andere Variante der Geschichte: Nuts Vater Schu, die Luft, soll sich
zwischen den beiden Liebenden gestellt haben, so dass Himmel und Erde von diesem Tage
an getrennt waren. Nut und Geb war es nun nicht mehr möglich, Kinder zu zeugen. So dachte
sich Nut eine List aus und gewann 5 Tage des Jahres von Thot, dem Gott des Kalenders. Das
Jahr bestand von da an aus 365, statt aus 360 Tagen. Nut nutzte die Gelegenheit und zeugte
mit Geb heimlich 5 Kinder: Osiris, Isis, Seth, Nephthys und Haroeris (Horus).

So stellten sich die alten Ägypter Himmel und Erde vor
Unten liegt Geb, die Erde. Oben, Nut, der Himmel, die von Schu, dem
Luftgott gestützt wird. Auf diesem Bild wird Schu noch von zwei
Widdergestaltigen Gottheiten unterstützt.
Seit dem Neuen Reich glaubten die alten Ägypter auch an die Himmelskuh,
die von Schu gestützt wird.

Die
Schöpfungsgeschichte von Hermopolis
Die Menschen in Hermopolis
erzählten, dass ihre Stadt ebenfalls als erste aus dem Urwasser entstieg, nachdem 4
schlangen- und 4 froschartige Götter unter dem Urhügel der Stadt Hermopolis entstanden
waren und die Urmaterie selbst personifizierten. Diese waren das Urgewässer Nun und
Naunet, die Endlosigkeit und Ewigkeit Huh und Hauhet, die Finsternis Kuk und Kauket und
Amun und Amaunet, die in etwa für die unsichtbare Kraft oder Luft/Wind standen.
Die vier Götter wurden froschköpfig, die weiblichen vier Gegenstücke schlangenköpfig
dargestellt.
Auf dem Urhügel legte eine Gans, der "Große Schnatterer", der erstmals das
Schweigen der urzeitlichen Stille brach, ein Ei aus dem der Sonnengott Re
entschlüpfte.
Seltener wurde erzählt, dass aus dem Ei die Luft entstieg, die den Himmel von der Erde
trennte und den Lebenshauch für die entstehende Schöpfung gab.
Manche Geschichten erzählen auch von einem Ei, dass aus dem dunklen Urgewässer entstand.
Als es zerbrach erstrahlte aus ihm das Sonnenlicht über die ganze Erde.
Anstelle des Eis trat auch eine Lotosblume auf, aus der Re, als sich die Blüte morgens
öffnete, entstieg.
Bemerkungen:
Die alten Ägypter kamen bestimmt auf froschköpfige und schlangenköpfige Götter, da
diese aus dem Nil entspringen.
Die Götternamen wechselten wahrscheinlich im Laufe der Zeit. Amun mit seinem weiblichen
Gegenstück Amunet ersetzten wohl erst in späterer Zeit andere Namen, als die
Amun-Verehrung immer mehr an Bedeutung gewann.
Das Ei aus dem der Sonnegott Re entstand war die Attraktion für alle Hermopolis-Pilger.
Das Wappen von Hermopolis bestand aus einem Ei und einem Hasen, was uns doch irgendwie an
Ostern erinnert. Für die Verbindung fehlen aber noch die Beweise.

Die
Schöpfungsgeschichte von Memphis
Memphis war davon überzeugt, dass
der Gott Ptah die Welt und die Götter durch das Wort und die Gedanken entstehen
ließ.
Ptah entstieg aus dem Urgewässer und brachte mit dem Herz und der Zunge die
Götterneunheit von Heliopolis hervor. Nach dem Glauben der alten Ägypter war das Herz
der Geist, der die Gedanken formte. Die Zunge folgte den Befehlen des Herzens und sprach
sie aus. Als Ptah die Namen der Götter nannte, erschuf er sie, darunter auch Atum, den
Schöpfergott von Heliopolis. Nach memphitischen Glauben folgte Atum also nur die
Anweisungen von Ptah, was den Priestern in Heliopolis bestimmt nicht gefallen hat.
Nachdem Ptah nun die Götter erschaffen hatte, wies er ihnen Kultstätten zu, an denen sie
verehrt werden konnten. Er begründete moralische Wertvorstellungen und errichtete in
Ägypten ein politisches System, indem er das Land in Bezirke unterteilte.
In späterer Zeit verschmolz Ptah mit der Gottheit Tatenen (eine andere Bezeichnung für
den Urhügel) und wurde so mit Atum gleichgesetzt, der in anderen Versionen der
Schöpfungsgeschichte von Hermopolis nicht nur als Schöpfer des Urhügels, sondern auch
als der Urhügel selbst dargestellt wurde.

Die
Schöpfungsgeschichte von Theben
Theben erfuhr erst seine große
Blüte zur Zeit des Neuen Reiches, als Amun zum großen Reichsgott ausgerufen wurde.
Deswegen hatte es die Stadt auch nicht gerade einfach sich gegen die alten
Schöpfungsgeschichten durchzusetzen, so dass eine Zusammensetzung aus anderen die einzige
Lösung war. Amun entstand demnach aus sich selbst und erscheint sowohl in der Achtheit
von Hermopolis, als auch als Urhügel Tatenen von Memphis und begab sich wiederum wie in
Hermopolis als Re in den Himmel. Amun schuf Götter und Menschen und ordnete wie Ptah die
Welt. Auf dem Urhügel gründete er die erste Stadt Theben, nach deren Vorbild alle
anderen Städte gebaut wurden.

Die
Schöpfungsgeschichte von Elephantine
Die Insel Elephantine glaubte,
dass der widderköpfige Gott Chnum die Menschen aus Ton und mit Hilfe einer Töpferscheibe
formte. Alte Aufzeichnungen veranschaulichen bis ins kleinste Detail die Entstehung des
menschlichen Körpers mit seinem Skelett, die Beschaffenheit der Haut und seinen Organen.
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