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Wer ist stärker? Wer gewandter? Schon die kleinen
Ägypter waren sehr kreativ was ihre Freizeitbeschäftigung anbetraf.
Schließlich galt es besonders bei den armen Schichten aus wenigen
Mitteln, möglichst viel zu machen. Dabei blieben die Jungen und
Mädchen meistens unter sich. Viele Spiele ähneln sich mit denen, die wir noch aus unserer Kindheit kennen. Neben Bockspringen, Fangen und Raufen gab es eine Art Tauziehen, das bei bei den Jungs sehr beliebt war. Zwei Jungen hielten sich an ihren Handgelenken fest und stützen die Füße gegeneinander. Dann fingen sie feste an zu ziehen. Unterstützung erhielten sie von anderen, die ihre Hände um die Hüfte des jeweiligen Vordermanns legen. Auf einem Grabrelief stehen zu dieser Szene so aufmunternde Worte wie "Dein Arm ist viel stärker als seiner. Gib ihm nicht nach.", wobei die Gegenseite brüllt "Meine Seite ist stärker als deine. Halt sie fest mein Freund." Es gab auch eine Reihe an Gleichgewichtsspielen wie das so genannte Eselspiel, bei dem ein Kind auf dem Rücken eines Erwachsenen versuchen musste, das Gleichgewicht zu halten. Oder eine Person versuchte auf allen Vieren auf den Schultern einer Reihe Schreitender nicht herunterzufallen. Eines der bekanntesten Spiele aus dieser Reihe war das Drehkreisspiel. Zwei Kinder in der Mitte wirbelten dabei ihre Kameraden mit hoher Geschwindigkeit im Kreis herum. Das Spiel heißt übersetzt "Errichten einer Weinlaube". Der Schwindel muss ähnlich wie nach dem Genuss von zuviel Wein gewesen sein.
Bei dem unteren Bild
handelt es sich um eine Nachzeichnung aus dem Grab des Cheti in Beni
Hassan (11. Dynastie)
Wir schauen uns mal
die rechte senkrechte Zeile näher an und fangen oben an. In der Zeile links
daneben erkennt man noch zwei Spiele, die einigermaßen gesichert
zugeordnet werden können. |
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Sport und Spiel der Erwachsenen Alle Sportarten, bei denen gestandene Mannsbilder ihre Kräfte messen konnten, waren im alten Ägypten sehr beliebt. Vor allem das Ringen schienen die Männer mit Begeisterung auszuüben wie zahlreiche Abbildungen dieser Sportart zeigen. Die Technik ist dabei ähnlich wie die heutige. Es gab auch schon früher Schwünge und Würfe, wobei der Griffansatz am ganzen Körper erlaubt war. Nur der Bodenkampf war damals eher unüblich. Leider lassen sich anhand der Abbildungen keine Regeln erkennen. Es lässt sich nicht mehr feststellen wann ein Sieg errungen wurde, denn leider gibt es keine schriftlichen Belege. So ist es auch nicht sicher ob es den Berufsringer gab. Eine Ringerausbildung musste aber jeder Soldat über sich ergehen lassen. Auch als Amüsement für den Pharao wurden Ringkämpfe veranstaltet.
Auch das Stockfechten schien neben dem Ringen eine beliebte Kampfsportart zu sein. Im Grab des Tutanchamun fand man 1 m lange Stöcke. Abbildungen lassen uns den Ablauf ungefähr rekonstruieren. Vor dem Kampf verneigten sich die Fechter vor dem Publikum. Bevor der Kampf losging kreuzten die Gegner noch mal die Waffen bis schließlich der Schlagabtausch begann. Für alle Kenner der Materie: das heutige Säbelfechten kommt dem antiken Stockfechten am nächsten. Als Schutz diente ein schildartiges Brett oder ein (Leder?-) Band, das Kinn und Stirn bedeckte.
Die dritte und letzte Kampfsportart ist Boxen. Nur eine einzige bisher bekannte Abbildung lässt darauf schließen, dass diese Sportart nicht sonderlich beliebt war. Geboxt wurde mit bloßen Fäusten.
Mit dem heutigen gemütlichen Angeln kann man 'Fischerstechen' nun gar nicht vergleichen. Die Männer teilten sich in mehreren Gruppen auf und bestiegen mit 3 oder 4 Männern ein kleines Papyrusboot. Mit spitzen Holzstäben versuchten die Männer pfeilschnell die Fische aufzuspießen. Der am Bug stehende versuchte mit seinem Holzstab den anderen aus dem gegnerischen Boot in den Fluss zu stoßen. Auch die anderen Männer halfen manchmal mit und sie waren dabei nicht gerade zimperlich. Sie schrien sich Sprüche zu wie "Öffne ihn an seinem Kasten", was so viel heißt wie "Schlag ihm den Schädel ein". Die
Großwildjagd war in den ersten Jahrhunderten ein Privileg des Pharao. Er jagte Großtiere wie
Löwen, Wildstiere, Nilpferde, Nashörner oder Elefanten. Besonders
beliebt war die Jagd nach Nilpferden, die mit einer Harpune erstochen
wurden. Einerseits war das Tier zwar der Schutzgöttin Haroeris geweiht,
andererseits fraß und zertrampelte es die Ernte der Bauern. Das Nilpferd
war auch ein Sinnbild des bösen Gottes Seth. Der Pharao zeigte so seinem
Volk mit der Nildpferdjagd, dass er das Böse vernichten konnte.
Die adlige Gesellschaft traf sich in Sumpfdickichten des Nildeltas um dort Jagd auf Fische und Vögel zu machen. Zu diesem gesellschaftlichen Großereignis trafen sich ganze Familien mit Müttern und Kindern auf kleinen Schiffen und hielten Ausschau nach guter Fangbeute. Die Fische wurden mit zweispitzigen Speeren beidhändig im Wasser aufgespießt, die Vögel erschlug man mit Wurfhölzern, die wie ein Bumerang aussahen. Auf Abbildungen tragen die Männer um sich herflatternde Vögel in der Hand, die wahrscheinlich als Lockvögel herhalten mussten. Die Jäger schickten auch abgerichtete Katzenarten in ein Dickicht um die Vögel aufzuscheuchen bzw. ihrem Herrn die erlegten Vögel zu bringen. Oder man schüttelte einfach heftig ans Papyrusdickicht um die Vögel aufzuscheuchen. Die Wahrscheinlichkeit einen Vogel mit dem Wurfholz zu treffen war bei einem Schwarm von Vögeln größer als bei einem einzelnen.
Brettspiele Senet - Spielbrett und Zubehör Gespielt wurde Senet entweder auf Spielbrettern oder es wurde mal eben schnell auf Felsen eingeritzt oder in den Boden gezeichnet. Der Senet-Spielkasten bestand aus 30 Spielfeldern, die quadratisch nebeneinander angeordnet waren. An der Vorder- und Hinterseite waren kleine Schubladen eingelassen, in dem sich das Spielzubehör befand, das aus Spielsteinen und Würfeln bestand. Ein Spieler durfte die 5 (vor dem Neuen Reich 7) spulförmigen, der andere die 5 (7) kegelförmigen (sie sehen so ähnlich aus wie bei unserem heutigen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel) Spielsteine benutzen. Farblich abgegrenzt wurden sie nicht.
Senet - Spielregeln Eine Anleitung für das Spiel ist niemals gefunden worden. Wissenschaftler können aber durch Inschriften, Abbildungen und Funde von mehr als 120 Spielfeldern das Spielprinzip ziemlich sicher rekonstruieren. Senet konnte zu zweit oder aber auch alleine gespielt werden. Es ist sowohl ein Glücks- als auch ein Strategiespiel. Mit zwei nebeneinander gestellten Spielfiguren kann man den Gegenspieler behindern oder mit dreien sogar blockieren (ähnlich wie bei Malefiz).
Eine Spielfigur fing
oben links an, ging die Reihe weiter und rückte rechts angekommen eine
Spalte weiter nach unten. Die Spieler bewegten sich also s-förmig über
das Spielbrett Die Spielfelder 15, 16, 26, 27, 28, 29 und gelegentlich
auch 30 waren mit Hieroglyphen versehen. Diese Felder hatten alle
unterschiedliche Bedeutungen: |
| Feld 15 | ("Haus der Wiedergeburt") Wenn man dieses Feld erreichte, durfte der Spieler wahrscheinlich noch mal würfeln. |
| Feld 16 | ("Haus des Netzes") Der Spieler musste einmal aussetzen. In der Unterwelt verfingen sich die Sünder in den Netzen des Re und wurden gefoltert |
| Feld 26 | ("Das schöne Haus") Der Spieler musste auf dieses Feld kommen um weiterspielen zu können. Das Feld stand symbolisch für die Wiedergeburt und das ewige Leben. |
| Feld 27 | Der Spieler durfte auf gar keinen Fall eine 1 würfeln, denn das hieß auf dieses unglückliche Feld zu kommen und seine Spielfigur zu verlieren. Das Feld hatte 3 Wasserlinien, die wahrscheinlich das Wasser des Chaos symbolisierten. Die Barke des Re fuhr sicher über den Fluss der Unterwelt, nur die Sünder waren dazu verdammt in dem Wasser zu ertrinken. |
| Feld 28 und 29 | Auf den beiden Feldern brauchte der Spieler nur noch eine 3 bzw. eine 2 zu würfeln um mit seinem Spielstein vom Spielbrett zu gelangen. Daher waren auf diesen Feldern auch drei, bzw. zwei gleiche Hieroglyphen abgebildet. |
| Feld 30 | Hier brauchte man demzufolge nur noch eine 1 zu würfeln. Auf einigen Spielbrettern war eine Fahne (Hieroglyphe für Gott), ein Falke (der Gott Horus) oder eine eine Sonnenscheibe (der Gott Re) abgebildet. Wer darauf kam war also dem Gott (Horus, Re) sehr nahe. |
Gewonnen hatte derjenige der alle 5 (bzw. 7) Spielfiguren vom Spielbrett herunterbewegt hatte, wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht. Nur gab es kein Herausschmeißen der Spielfiguren sondern ein Austauschen wie beim Backgammon. Der Gegner wurde also zurückgesetzt und überholt. Senet - Mehr als nur ein Spiel Senet war das
beliebteste Spiel im alten Ägypten. Nicht ohne Grund. Denn wie ihr
anhand der Feldbeschreibungen vielleicht schon erahnt habt, verbanden
die gläubigen Ägypter das Spiel mit ihrem Jenseitsglauben. Es war ein
mythisches Spiel um Tod und Wiedergeburt sowie das ewige Leben. Senet
bedeutet so viel wie "vorbeigehen" oder "passieren"
Der Verstorbene musste die gefährlichen Gefilden der Unterwelt
passieren um auf die Sonnenbarke des Re zu gelangen. So musste auch der
Spieler seine Spielsteine sicher über das Brett führen, um seine
Wiederbegurt zu sichern. Er nahm sozusagen sein Schicksal in seine
eigene Hand und erspielte sich einen guten Ausgang für sein ewiges
Leben. Ab der 10. Dynastie verfeinerte man das Spiel noch. Hier waren alle Spielfelder dekoriert und erzählten in Ich-Form von Ereignisse der Spielfigur in der Unterwelt. Man fand einzeln vergrabene Spielbretter im Wüstensand oder sie wurden als eine Art "Glücksbringer" für eine sichere Reise durch die Unterwelt mit ins Grab gelegt. Senet-Varianten Auf der Unterseite einiger Senet-Spielekästen fand man bis in die 19. Dynastie auch eine Variante mit 20 Spielfeldern oder als aufklappbare Variante auch mit 31 Spielfeldern. Wie diese beiden Spiele funktionieren wissen wir nicht genau. Spielerisch als auch symbolisch wird es aber wahrscheinlich ähnlich wie Senet sein.
Das Spiel verdankt
seinem Namen seinem Spielbrett, das wie eine eingerollte Schlange
aussieht. Es heißt auf altägyptisch Ringelschlange (mhn). Der Kopf der
Schlange befindet sich in der Mitte des Spielfeldes, der Schwanz am
äußersten Rand. Der Schlangenkörper ist manchmal in Abschnitten
unterteilt, die wahrscheinlich Spielfelder darstellen Neben dem Senet ein
ebenfalls sehr beliebtes Spiel war Hunde und Schakale, wie wir es heute
nennen, da die Spielfiguren in Hunde bzw. Schakalköpfe enden. Eher
seltener wird es auch Schildspiel genannt, da das Spielbrett sehr dem
Schild eines Soldaten ähnelte.
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