Sport und Spiel

 

Spiele für Kinder

Wer ist stärker? Wer gewandter?

Ballspiele

 

Sport und Spiel der Erwachsenen

Ringen

Stockfechten

Faustkampf

Schwimmen und Fischerstechen

Die Jagd

 

Brettspiele

Senet

Das Schlangenspiel

Hunde und Schakale
 


Spiele für Kinder

Wer ist stärker? Wer gewandter?

Schon die kleinen Ägypter waren sehr kreativ was ihre Freizeitbeschäftigung anbetraf. Schließlich galt es besonders bei den armen Schichten aus wenigen Mitteln, möglichst viel zu machen. Dabei blieben die Jungen und Mädchen meistens unter sich.
Die hier beschriebenen Spiele sind noch nicht einmal alle, die in nur 5 Gräbern des Mittleren Reiches dargestellt wurden. Bei manchen bleibt uns der Sinn des Spiels verborgen. Im Neuen Reich bricht die Darstellung von spielenden Kindern plötzlich ab und so werden noch viele Spielideen der Ägypter ein Geheimnis für uns bleiben.

Viele Spiele ähneln sich mit denen, die wir noch aus unserer Kindheit kennen. Neben Bockspringen, Fangen und Raufen gab es eine Art Tauziehen, das bei bei den Jungs sehr beliebt war. Zwei Jungen hielten sich an ihren Handgelenken fest und stützen die Füße gegeneinander. Dann fingen sie feste an zu ziehen. Unterstützung erhielten sie von anderen, die ihre Hände um die Hüfte des jeweiligen Vordermanns legen. Auf einem Grabrelief stehen zu dieser Szene so aufmunternde Worte wie "Dein Arm ist viel stärker als seiner. Gib ihm nicht nach.", wobei die Gegenseite brüllt "Meine Seite ist stärker als deine. Halt sie fest mein Freund."

Es gab auch eine Reihe an Gleichgewichtsspielen wie das so genannte Eselspiel, bei dem ein Kind auf dem Rücken eines Erwachsenen versuchen musste, das Gleichgewicht zu halten. Oder eine Person versuchte auf allen Vieren auf den Schultern einer Reihe Schreitender nicht herunterzufallen. Eines der bekanntesten Spiele aus dieser Reihe war das Drehkreisspiel. Zwei Kinder in der Mitte wirbelten dabei ihre Kameraden mit hoher Geschwindigkeit im Kreis herum. Das Spiel heißt übersetzt "Errichten einer Weinlaube". Der Schwindel muss ähnlich wie nach dem Genuss von zuviel Wein gewesen sein.

Errichten einer Weinlaube, Sakkara, Ägypten, 5. Dynastie
Drehkreisspiel (altägyptisch: Errichten einer Weinlaube).
Die zwei Kinder in der Mitte wirbeln ihre Spielkameraden im Kreis herum
Grab des Ptahhotep, Sakkara, 5. Dynastie

Bei dem unteren Bild handelt es sich um eine Nachzeichnung aus dem Grab des Cheti in Beni Hassan (11. Dynastie)
Die Bilder zeigen verschiedene Kinderspiele, die mit kurzen aber schwer zu übersetzenden Inschriften betitelt sind. Daher kann man nur vermuten was für Spiele dahinterstecken.

Kinderspiele, Grab des Cheti, Beni Hassan

Wir schauen uns mal die rechte senkrechte Zeile näher an und fangen oben an.
1. Bild: Hier sieht man zwei Kinder, die mit Stäbchen hantieren. Der dritte führt dabei einen Kopfstand durch
2. Bild: 3 Jungs beweisen ihre Stärke und Geschicklichkeit durch das Tragen eines 4. Kindes.
3. Bild: einer hockt zwischen zwei Kindern und muss erraten wer ihn geschlagen hat
4. Bild:
bei dem Reifspiel machen sich zwei Jungen einen Reif mit zwei Stöcken streitig
5. Bild: ? die Jungen scheinen sich mit ihren Ellbogen zu schlagen
6. Bild: das sitzende Kind muss versuchen den Fuß des stehenden zu erhaschen. Wenn dies gelingt, werden die Plätze getauscht.
7. Bild: ?
8. Bild: Die Inschrift lautet: "einen Schlag auf die Hand geben, einen Schlag auf den Kopf geben" Aber was war der Sinn des Spiels?

In der Zeile links daneben erkennt man noch zwei Spiele, die einigermaßen gesichert zugeordnet werden können.
Über den beiden Jungen, die sich gegenübersitzen steht die Zeile "Sag es!" Auf das Kommando musste einer die Anzahl der ausgestreckten Finger des anderen voraussagen.
Darunter versuchen zwei Jungen an jeweils einem Arm eingeklammert sich Rücken an Rücken nach oben zu drücken.
 


Ballspiele

 

Bälle mit Leder bezogenDas Ballspiel schien ein typischer Zeitvertreib für das weibliche Geschöpf gewesen zu sein. Abbildungen zeigen ausschließlich Frauen und junge Mädchen beim Ballspiel.
Das jm_d würde man heute als Jonglieren bezeichnen. Drei Bälle hielt man gleichzeitig in Bewegung. Um das Ganze noch schwieriger zu gestalten, wurden die Bälle mit gekreuzten Armen aufgefangen.
Das andere Spiel rwjt hatte durch rhythmisches Zuwerfen seinen Reiz. Je drei Spielerinnen standen sich gegenüber. Die beiden äußeren bestimmten durch ihr Klatschen die Geschwindigkeit des Ballwerfens. Erst wenn ein Mädchen in die Hände klatschte, durfte der Ball geworfen werden. Eventuell musste das Mädchen nach dem Wurf ihrer Hinterfrau Platz machen, damit sie den nächsten Ball fangen konnte.

Eine andere Variante ist ein Huckepack-Ballspiel, bei dem jeweils ein Mädchen auf dem Rücken des anderen saß und sich mit einem anderen Mädchen Bälle zuwarf. Wenn ein Kind den Ball fallen gelassen hatte, musste es den Platz vermutlich mit der Trägerin tauschen.

Ballspielen, Beni Hassan, Ägypten, 12. Dynastie
Kinder beim Ballspielen
Nachzeichnung aus dem Grab des Baket, Beni Hassan, 12. Dynastie, um 1970 v. Chr.,



In einem Grab fand man noch eine Art Kegelspiel. Ein Satz Kegel musste mit einer Kugel getroffen werden, die durch ein aus drei Steinen gebildetes Tor gerollt werden musste.
Der Ball selbst bestand meistens aus bis zu 12 Lederstreifen, die um einen Kern aus Stroh, Schilf, Haaren, Garn oder Spreu zusammengenäht waren.

 

Sport und Spiel der Erwachsenen

Ringen

Alle Sportarten, bei denen gestandene Mannsbilder ihre Kräfte messen konnten, waren im alten Ägypten sehr beliebt. Vor allem das Ringen schienen die Männer mit Begeisterung auszuüben wie zahlreiche Abbildungen dieser Sportart zeigen. Die Technik ist dabei ähnlich wie die heutige. Es gab auch schon früher Schwünge und Würfe, wobei der Griffansatz am ganzen Körper erlaubt war. Nur der Bodenkampf war damals eher unüblich. Leider lassen sich anhand der Abbildungen keine Regeln erkennen. Es lässt sich nicht mehr feststellen wann ein Sieg errungen wurde, denn leider gibt es keine schriftlichen Belege. So ist es auch nicht sicher ob es den Berufsringer gab. Eine Ringerausbildung musste aber jeder Soldat über sich ergehen lassen. Auch als Amüsement für den Pharao wurden Ringkämpfe veranstaltet.

Ringer, Beni Hassan, Ägypten, 12. Dynastie
Ringer
 Grab des Amenemhet,
Beni Hassan, 12. Dynastie, um 1930 v. Chr.

 

Stockfechten

Auch das Stockfechten schien neben dem Ringen eine beliebte Kampfsportart zu sein. Im Grab des Tutanchamun fand man 1 m lange Stöcke. Abbildungen lassen uns den Ablauf ungefähr rekonstruieren. Vor dem Kampf verneigten sich die Fechter vor dem Publikum. Bevor der Kampf losging kreuzten die Gegner noch mal die Waffen bis schließlich der Schlagabtausch begann. Für alle Kenner der Materie: das heutige Säbelfechten kommt dem antiken Stockfechten am nächsten. Als Schutz diente ein schildartiges Brett oder ein (Leder?-) Band, das Kinn und Stirn bedeckte.

 

Boxer, Theben, 18. Dynastie

Faustkampf

Die dritte und letzte Kampfsportart ist Boxen. Nur eine einzige bisher bekannte Abbildung lässt darauf schließen, dass diese Sportart nicht sonderlich beliebt war. Geboxt wurde mit bloßen Fäusten.



Grab des Cheriuf,Theben, 18. Dynastie

 

Schwimmen und Fischerstechen

Nachzeichnung eines Krugverschlusses aus der 1. DynastieObwohl die Quellen sehr rar sind, können wir doch bei dem heißen Land Ägypten davon ausgehen, dass Schwimmen (nbj) zu einer Lieblingsbeschäftigung im alten Ägypten gehörte. Geschwommen wurde im Nil und bei den Reichen im privaten Gartenteich. Die Ägypter waren der Meinung, dass sie als einziges Volk des Schwimmens mächtig waren. In der Schlacht von Kadesch unter Ramses II. wird der Fürst von Kadesch nur durch das beherzte Eingreifen seiner Männer gerettet, die ihn aus dem Wasser herausziehen und ihn peinlicherweise auf dem Kopf stellen, damit das von ihm geschluckte Wasser aus ihm herausfließen konnte.
Auf Abbildungen wird eine Art Kraulschwimmen gezeigt, wobei die Beine von oben nach unten 'strampelten'.
Zumindest für die Kinder des Königs und der Adligen gehörte Schwimmunterricht zu einer guten Ausbildung. Der Gaufürst Cheti aus Assiut, der in der 1. Zwischenzeit lebte, berichtet in einer Grabinschrift stolz:
"Er (der König) ließ mich im Schwimmen unterrichten zusammen mit den Königskindern." Aber auch das niedere Volk war des Schwimmens mächtig. Vor allem für die Fischer war es überlebenswichtig. Sie schwammen neben den Booten und tauchten nach den Fischernetzen um nach dem Rechten zu sehen und sie einzuholen. Natürlich mussten sie dabei immer vorsichtig sein, denn in der Nähe lauerten oft gefräßige Krokodile.

Mit dem heutigen gemütlichen Angeln kann man 'Fischerstechen' nun gar nicht vergleichen. Die Männer teilten sich in mehreren Gruppen auf und bestiegen mit 3 oder 4 Männern ein kleines Papyrusboot. Mit spitzen Holzstäben versuchten die Männer pfeilschnell die Fische aufzuspießen. Der am Bug stehende versuchte mit seinem Holzstab den anderen aus dem gegnerischen Boot in den Fluss zu stoßen. Auch die anderen Männer halfen manchmal mit und sie waren dabei nicht gerade zimperlich. Sie schrien sich Sprüche zu wie "Öffne ihn an seinem Kasten", was so viel heißt wie "Schlag ihm den Schädel ein".

Fischerstechen, Sakkara, Ägypten, 5. Dynastie
Wild her ging es beim Fischerstechen, wie dieses Bild zeigt
Grab des Wesirs Ptahhotep, Sakkara, 5. Dynastie, um 2350 v. Chr.

Die Jagd

Die Großwildjagd war in den ersten Jahrhunderten ein Privileg des Pharao. Er jagte Großtiere wie Löwen, Wildstiere, Nilpferde, Nashörner oder Elefanten. Besonders beliebt war die Jagd nach Nilpferden, die mit einer Harpune erstochen wurden. Einerseits war das Tier zwar der Schutzgöttin Haroeris geweiht, andererseits fraß und zertrampelte es die Ernte der Bauern. Das Nilpferd war auch ein Sinnbild des bösen Gottes Seth. Der Pharao zeigte so seinem Volk mit der Nildpferdjagd, dass er das Böse vernichten konnte.
Ab dem Neuen Reich sieht man auch immer mehr Adlige bei der Nilpferdjagd. Das Fleisch der Nilpferde wurde gegessen, aus den Zähnen wurden magische Amulette gemacht und außerdem für Schnitzereien und als Einlegearbeiten verwendet. Kot und Fett fanden ihre Verwendung in der Medizin. Aus der dicken Haut der Nilpferde verarbeiteten die Ägypter Gurte und Peitschen.
Ab dem Neuen Reich kamen auch die kleinen wendigen Streitwagen zum Einsatz, mit denen es einfacher wurde schnelle Wildtiere zusammenzutreiben und sie mit Pfeil und Bogen, Speeren oder Lanzen zu erschießen. Das erforderte schon viel Geschick, kamen doch die Wagen bis auf eine Geschwindigkeit von 50 km/h.
Viele Inschriften und Abbildungen berichten vom Jagderfolg ihrer Majestät, als Beweis für seinen Mut, seine Kraft und Geschicklichkeit. Amenophis III. berichtete auf einem Gedenkskarabäus, der bis in den Libanon und sogar auf Zypern bei Ausgrabungen gefunden wurde: "Liste der Löwen, die Seine Majestät selbst bei seiner Jagd erbeutete vom Jahre 1 bis zum Jahre 10: wilde Löwen 102"

Großwildjagd, Theben, 18. Dynastie
Auch die Adligen nahmen sich ihren Pharao als Vorbild und verewigten sich auf ihren Grabwänden als erfolgreiche Jäger
Grab des Userhat, Theben, 18. Dynastie, um 1410 v. Chr.

Die adlige Gesellschaft traf sich in Sumpfdickichten des Nildeltas um dort Jagd auf Fische und Vögel zu machen. Zu diesem gesellschaftlichen Großereignis trafen sich ganze Familien mit Müttern und Kindern auf kleinen Schiffen und hielten Ausschau nach guter Fangbeute. Die Fische wurden mit zweispitzigen Speeren beidhändig im Wasser aufgespießt, die Vögel erschlug man mit Wurfhölzern, die wie ein Bumerang aussahen. Auf Abbildungen tragen die Männer um sich herflatternde Vögel in der Hand, die wahrscheinlich als Lockvögel herhalten mussten. Die Jäger schickten auch abgerichtete Katzenarten in ein Dickicht um die Vögel aufzuscheuchen bzw. ihrem Herrn die erlegten Vögel zu bringen. Oder man schüttelte einfach heftig ans Papyrusdickicht um die Vögel aufzuscheuchen. Die Wahrscheinlichkeit einen Vogel mit dem Wurfholz zu treffen war bei einem Schwarm von Vögeln größer als bei einem einzelnen.

Vogeljagd, Grab des Nacht
Jagd im Papyrusdickicht
Man beachte in der Mitte den so genannten 'Wasserberg'. Um die Adligen nicht in einer unwürdigen gebückten Stellung abbilden zu müssen, erhoben die Künstler einfach das Wasser, so dass der Grabherr in einer aufrechten Stellung Fische stechen konnte. 
Grab des Nacht, Theben, 18. Dynastie, um 1390 v. Chr.

Brettspiele

Senet

Senet - Spielbrett und Zubehör

Gespielt wurde Senet entweder auf Spielbrettern oder es wurde mal eben schnell auf Felsen eingeritzt oder in den Boden gezeichnet. Der Senet-Spielkasten bestand aus 30 Spielfeldern, die quadratisch nebeneinander angeordnet waren. An der Vorder- und Hinterseite waren kleine Schubladen eingelassen, in dem sich das Spielzubehör befand, das aus Spielsteinen und Würfeln bestand. Ein Spieler durfte die 5 (vor dem Neuen Reich 7) spulförmigen, der andere die 5 (7) kegelförmigen (sie sehen so ähnlich aus wie bei unserem heutigen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel) Spielsteine benutzen. Farblich abgegrenzt wurden sie nicht. 

WurfstäbchenGewürfelt wurde entweder mit 4 Wurfstäbchen oder 1-2 Astragalen (Sprunggelenkknöchelchen vom Rind, Schaf oder der Ziege). Die Wurfstäbchen bestanden aus einer gewölbten und einer flachen Seite. Auf der gewölbten Seite befanden sich Einkerbungen, die flache Seite war nicht markiert. Für das Würfeln zählten nur die unmarkierten, flachen Seiten. Wenn also zwei flache Seiten nach oben zeigten, durfte der Spieler 2 Felder vorrücken. Eine Ausnahme gab es wenn alle 4 flachen Seiten nach oben zeigten. Dann durfte der Spieler sogar 5 Felder vorrücken.
AstragalenMit den Astragalen würfelten die Ägypter ab der 17. Dynastie, ab der 19. ersetzten sie komplett die Wurfstäbe. Anders als unsere heutigen Würfel, die auch mal mit zu viel Schwung vom Tisch rollen oder irgendwo auf Kippe landen können, verhindert die unebene Knochenform der Astragalen 'ungenaues' Würfeln. Die 4 Seiten konnte man optisch so gut voneinander entscheiden, dass sie ohne Einkerbungen zu erkennen waren. Die nach außen gewölbte Seite war eine 3, die nach innen gewölbte Seite eine 4 (linker Würfel). Die instabilste Seite eine 6 (oben) und die leichteste eine 1 (unten)

Senet - Spielregeln

Eine Anleitung für das Spiel ist niemals gefunden worden. Wissenschaftler können aber durch Inschriften, Abbildungen und Funde von mehr als 120 Spielfeldern das Spielprinzip ziemlich sicher rekonstruieren. Senet konnte zu zweit oder aber auch alleine gespielt werden. Es ist sowohl ein Glücks- als auch ein Strategiespiel. Mit zwei nebeneinander gestellten Spielfiguren kann man den Gegenspieler behindern oder mit dreien sogar blockieren (ähnlich wie bei Malefiz).

Grundzeichnung eines Senet-Spiels

Eine Spielfigur fing oben links an, ging die Reihe weiter und rückte rechts angekommen eine Spalte weiter nach unten. Die Spieler bewegten sich also s-förmig über das Spielbrett Die Spielfelder 15, 16, 26, 27, 28, 29 und gelegentlich auch 30 waren mit Hieroglyphen versehen. Diese Felder hatten alle unterschiedliche Bedeutungen:
 

Feld 15 ("Haus der Wiedergeburt") Wenn man dieses Feld erreichte, durfte der Spieler wahrscheinlich noch mal würfeln.
Feld 16 ("Haus des Netzes") Der Spieler musste einmal aussetzen. In der Unterwelt verfingen sich die Sünder in den Netzen des Re und wurden gefoltert
Feld 26 ("Das schöne Haus") Der Spieler musste auf dieses Feld kommen um weiterspielen zu können. Das Feld stand symbolisch für die Wiedergeburt und das ewige Leben.
Feld 27 Der Spieler durfte auf gar keinen Fall eine 1 würfeln, denn das hieß auf dieses unglückliche Feld zu kommen und seine Spielfigur zu verlieren. Das Feld hatte 3 Wasserlinien, die wahrscheinlich das Wasser des Chaos symbolisierten. Die Barke des Re fuhr sicher über den Fluss der Unterwelt, nur die Sünder waren dazu verdammt in dem Wasser zu ertrinken.
Feld 28 und 29 Auf den beiden Feldern brauchte der Spieler nur noch eine 3 bzw. eine 2 zu würfeln um mit seinem Spielstein vom Spielbrett zu gelangen. Daher waren auf diesen Feldern auch drei, bzw. zwei gleiche Hieroglyphen abgebildet.
Feld 30 Hier brauchte man demzufolge nur noch eine 1 zu würfeln. Auf einigen Spielbrettern war eine Fahne (Hieroglyphe für Gott), ein Falke (der Gott Horus) oder eine eine Sonnenscheibe (der Gott Re) abgebildet. Wer darauf kam war also dem Gott (Horus, Re) sehr nahe.

 

Gewonnen hatte derjenige der alle 5 (bzw. 7) Spielfiguren vom Spielbrett herunterbewegt hatte, wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht. Nur gab es kein Herausschmeißen der Spielfiguren sondern ein Austauschen wie beim Backgammon. Der Gegner wurde also zurückgesetzt und überholt.

Senet - Mehr als nur ein Spiel

Senet war das beliebteste Spiel im alten Ägypten. Nicht ohne Grund. Denn wie ihr anhand der Feldbeschreibungen vielleicht schon erahnt habt, verbanden die gläubigen Ägypter das Spiel mit ihrem Jenseitsglauben. Es war ein mythisches Spiel um Tod und Wiedergeburt sowie das ewige Leben. Senet bedeutet so viel wie "vorbeigehen" oder "passieren" Der Verstorbene musste die gefährlichen Gefilden der Unterwelt passieren um auf die Sonnenbarke des Re zu gelangen. So musste auch der Spieler seine Spielsteine sicher über das Brett führen, um seine Wiederbegurt zu sichern. Er nahm sozusagen sein Schicksal in seine eigene Hand und erspielte sich einen guten Ausgang für sein ewiges Leben.
Dies war auch ein Grund warum Senet auch gerne allein gespielt wurde. Der Spieler konnte sich damit trösten trotz aller Sünden ewig zu leben.

Ab der 10. Dynastie verfeinerte man das Spiel noch. Hier waren alle Spielfelder dekoriert und erzählten in Ich-Form von Ereignisse der Spielfigur in der Unterwelt.

Man fand einzeln vergrabene Spielbretter im Wüstensand oder sie wurden als eine Art "Glücksbringer" für eine sichere Reise durch die Unterwelt mit ins Grab gelegt.

Senet-Varianten

Auf der Unterseite einiger Senet-Spielekästen fand man bis in die 19. Dynastie auch eine Variante mit 20 Spielfeldern oder als aufklappbare Variante auch mit 31 Spielfeldern. Wie diese beiden Spiele funktionieren wissen wir nicht genau. Spielerisch als auch symbolisch wird es aber wahrscheinlich ähnlich wie Senet sein.

 

 

Das Schlangenspiel

Das Spiel verdankt seinem Namen seinem Spielbrett, das wie eine eingerollte Schlange aussieht. Es heißt auf altägyptisch Ringelschlange (mhn). Der Kopf der Schlange befindet sich in der Mitte des Spielfeldes, der Schwanz am äußersten Rand. Der Schlangenkörper ist manchmal in Abschnitten unterteilt, die wahrscheinlich Spielfelder darstellenDas Schlangenspiel sollen. Die Spielsteine, die hier "Tänzer" genannt wurden, bestanden aus 6 liegenden weiblichen und männlichen Löwen (jeweils 3). Jedem Löwen waren 6 Kugeln zugeordnet. Dies ist auch das einzige was wir sicher wissen. Über die Spielregeln kann man nur Vermutungen anstellen. Eventuell mussten die Spieler ihr Geschick beweisen und die Kugeln auf welche Weise auch immer möglichst nahe ins Zentrum befördern. Je nachdem wie das glückte durfte man seine Löwen weiter nach vorne bzw. zurück setzen. Ziel des Spiels war es seine Löwen zum Schlangenkopf zu befördern. In der ägyptischen Mythologie köpft der Sonnengott Re in Form einer großen Katze den Schlangengott Apophis.
Nach der Epoche des alten Reiches ist dieses Spiel in Vergessenheit geraten.

Hunde und Schakale

Neben dem Senet ein ebenfalls sehr beliebtes Spiel war Hunde und Schakale, wie wir es heute nennen, da die Spielfiguren in Hunde bzw. Schakalköpfe enden. Eher seltener wird es auch Schildspiel genannt, da das Spielbrett sehr dem Schild eines Soldaten ähnelte.
Wie beim senet bestand das Spielbrett aus 30 Feldern (30 Götter waren übrigens die Richter beim Totengericht). Eigentlich 59 aber anders als beim senet saßen sich hier die Spieler gegenüber und teilten sich das Spielbrett. Jeder Spieler hatte 29 Spielfelder, 10 auf der Innenseite und 19 auf der äußeren. In deren eingekerbten Löchern konnten die Spielfiguren reingesteckt werden. Das "Gemeinschaftloch" am zentralen oberen Teil des Spielfeldes konnten die beiden Gegenspieler gemeinsam nutzen. In manchen Spielen waren Querverbindungen eingeritzt, so dass man von der 19er Seite zu 10er Seite und/oder umgekehrt wechseln konnte. Auf einigen Feldern war außerdem die Hieroglyphe für "schön" (nfr) eingekerbt, was dem Spieler anscheinend Vorteile brachte.