Medizin und Krankheiten

Die Anatomie des Menschen und warum entstehen Krankheiten?

Inhaltsverzeichnis

Ein Kanalsystem voll mit schädlichen Stoffen

Das Herz war das zentrale Organ des Körpers. Es war der Sitz des Denkens und Fühlens. Von ihm, so glaubten die Ägypter, gingen 22 Gefäße zu den verschiedensten Teilen des Körpers.

Die Anatomie des Menschen

Eine Luftröhre und eine Lunge (zur Verdeutlichung aufgehellt) wurden als Symbol der Vereinigung der beiden Länder abgebildet. Die Lunge hieß auf altägyptische "sema", genau wie das wort für vereinigen.

Eine Luftröhre und eine Lunge (zur Verdeutlichung aufgehellt) wurden als Symbol der Vereinigung der beiden Länder abgebildet. Die Lunge hieß auf altägyptische „sema“, genau wie das wort für vereinigen.

Durch dieses Kanalsystem floss hauptsächlich Luft und Wasser. Beide Stoffe waren nach dem Glauben der alten Ägypter lebenswichtig für die Versorgung des gesamten menschlichen Körpers. An verschiedenen Stellen des Körpers flossen aber auch andere Körpersäfte, wie Tränen, Kot, Urin oder männliche Samen. Immerhin wussten sie schon, dass die eingeatmete Luft zur Lunge und zum Herzen ging. Gleichzeitig glaubten sie aber, dass sich die Speisen durch die gleiche Röhre wie die Luft den Weg durch den Körper bahnten.

Warum hatten die Ägypter eine so seltsame Auffassung des Körpers?

Es verwundert einen schon, dass die alten Ägypter eine so seltsame Auffassung des Körpers hatten. Hatten die Ägypter mit ihrer Mumifizierungstechnik denn keine genaueren Kenntnisse der Anatomie? Leider nein. Denn die Ärzte hatten mit den Einbalsamierern nichts am Hut und umgekehrt. Die Einbalsamierer galten als „unrein“ und vor seinem Dahinscheiden, wollte man möglichst nichts mit ihnen zu tun haben. Das Sezieren eines toten Körpers galt außerdem als höchst verwerflich, war der Körper doch ein wichtiger Bestandteil für das ewige Leben (siehe Mumien und Totenkult). Das Wissen der Ägypter über die inneren Organe stammt hauptsächlich von Tieren. Dies belegen die Hieroglyphen. Die Zeichen für alle äußeren Organe (Nase, Augen, Ohre, etc.) sind nach menschlichem Vorbild gezeichnet, die inneren Organe nach tierischem.

Wie entstehen Krankheiten?

Die Funktion der Gefäße spielte bei den ägyptischen Ärzten eine große Rolle bei der Entstehung der Krankheiten. Sie wussten immerhin schon, dass bei der Nahrungsaufnahme die Nahrungsmittel über den Magen weiter an den Darm gegeben und letztendlich ausgeschieden werden. Geriet dieser Kreislauf aber ins Stocken, so glaubten sie, blieben die Nahrungsmittel im Körper und verwandelten sich in Schleim- und Schmerzstoffe. Laut Herodot sollen die Ägypter sogar drei Tage hintereinander jeden Monat Abführmittel genommen und mit Brechmitteln und Klistieren für ihre Gesundheit gesorgt haben.

Schädliche Stoffe wandern durch den Körper

Wenn also etwas nicht in Ordnung war, lag es meistens an den Gefäßen, die statt gesunder Luft und gesundem Wasser, schädliche Stoffe durch den Körper leiteten. Als Beispiel sollen hier zwei verschiedenen Nasenkrankheiten aufgeführt werden:

Zur Nase führten angeblich vier Gefäße mit Luft und Wasser. Bei einem Schnupfen führten aber zwei Gefäße Schleim durch die Nase, bei Nasenbluten führten die anderen beiden Gefäße Blut.

Böse Götter und Dämonen als Auslöser

Doch was war der Auslöser, wenn durch die Gefäße Flüssigkeiten liefen, die dort eigentlich gar nicht hingehörten? Wenn eine natürliche Erklärung (z.B. Knochenbrüche, Wunden oder Völlerei) nicht gegeben war, mussten die Ägypter auf andere Verursacher zurückgreifen, und das waren in den meisten Fällen böse Götter oder Dämonen. Die Dämonen konnten von den Göttern als Strafe für eine schlimme Tat aber auch von einem anderen, dem Kranken nicht wohlgesinnten Menschen kommen. Die Dämonen nisteten sich durch einen „Hauch“ oder Schlag in den Körper des Menschen ein. Aber auch die Geister von Verstorbenen konnten den Menschen allerlei Schaden und Krankheiten zufügen.