Pharao = Gott?

Die Aufgaben des Königs

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Re hat den König eingesetzt
Auf der Erde der Lebenden
für immer und ewig
beim Rechtsprechen der Menschen,
beim Befrieden der Götter,
beim Entstehenlassen der Maat,
beim Vernichten der Isfet.
Er (der König) gibt Gottesopfer den Göttern
und Totenopfer den Verklärten (…)nach Jan Assmann Maat – Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im alten Ägypten, S. 206

Diese Textzeilen, die auf dem Terrassentempel der Hatschepsut eingemeißelt sind, aber auch in vielen anderen, ähnlichen Versionen geschrieben stehen, verdeutlichen das Regierungsprogramm eines ägyptischen Königs. Der Pharao hatte die Weltordnung (Maat) zu garantieren, der Nil musste pünktlich über die Ufer fließen, Recht musste gesprochen werden, und die Feinde Ägyptens mussten vernichtet werden. Dies konnte nur funktionieren, wenn die Götter zufrieden waren und ihrem Land beistanden.

Die Götter durften Ägypten nicht verlassen

Nachdem Echnaton wegen seines Ein-Gott-Glaubens alle Tempel hatte schließen lassen und sich keiner mehr um sie gekümmert hatte, bemerkte sein Sohn und Nachfolger Tutanchamun: “Das Land lag am Boden, weil es die Götter verlassen hatten”. Der Pharao musste aber die göttliche Macht in seinem Land beibehalten. Sie durfte Ägypten nicht verlassen, weil das Land sonst eine “Krankheit” durchmachte, wie Tutanchamun auf seiner Stele den Zustand seines Landes unter der Herrschaft seines Vaters beschrieb. Daher mussten Tempel zu Ehren der Götter erbaut und erweitert werden. Durch die neuen Kultbauten und die dort stattfindenden Opfer wurden die Götter zufrieden gestellt, und als Gegenleistung übertrugen sie die Macht für die Aufrechterhaltung der Maat an den König. Die Maat war die Wahrheit, Ordnung und Gerechtigkeit, die Welt im Gleichgewicht, die der Pharao in Ägypten instandhalten musste. Isfet, das Chaos, durfte keinen Einzug in Ägypten halten.

Vereinigung der beiden Länder

Bei seinem Regierungsantritt musste jeder Pharao symbolisch wieder die beiden Länder Ober- und Unterägypten vereinen, weshalb dieses Motiv der “Vereinigung der beiden Länder” auf vielen Kolossalstatuen der Pharaonen (hier auf einer Statue von Ramses II.) zu finden ist.
Zwei Nilgötter verknüpfen den Lotus (oder die Lilie) als Symbol für Oberägypten und den Papyrus als Symbol für Unterägypten. Die beiden Pflanzen werden über das Zeichen für “Vereinigung” verknotet. Das Mittelstück symbolisiert eine Luftröhre und Lunge. Sowohl “Lunge” als auch “vereinigen” hieß auf altägyptisch sema (sma).
Tempel von Luxor
Neues Reich, 19. Dynastie

Zudem – ein netter Nebeneffekt von Tempeln – konnten und sollten die Untertanen durch die überdimensionalen Reliefs mit “Pharao als gottgleicher Held” die Macht und Größe ihres Herrschers ehrfürchtig bestaunen.

Pharao erschlägt die Feinde

Wenn wir auf den Tempelwänden sehen, wie der Pharao mit einem Knüppel in der einen Hand, mit der anderen die Feinde Ägyptens am Schopf gepackt, zum Schlag gegen sie ausholt, dann will er nicht nur seine Stärke gegenüber den Gegnern Ägyptens demonstrieren, sondern dem Betrachter auch noch etwas anderes vor Augen führen: Pharao ist Herr über die Maat, und seine Macht ist Isfet, dem Chaos (symbolisiert durch die Feinde), überlegen.
Tempel von Medinet Habu, Theben-West
Neues Reich, 20. Dynastie