Tutanchamun

Tutanchamuns Familie

Die Frage nach den Eltern

Im Jahr 2010 veröffentlichten Wissenschaftler die Ergebnisse eines umfangreichen DNA-Tests. Sie untersuchten insgesamt 11 Mumien, von denen man glaubte, sie würden zu Tutanchamuns Familie gehören.

Statue Echnatons im Luxor-Museum

Tutanchamuns Vater

“Sohn des Königs von seinem Leibe”. Diese Inschrift mit Tutanchatons Namen fand man auf einem Kalksteinblock in Hermopolis. Der junge König war also der Sohn eines Pharaos. Doch welches Pharaos? Nirgendwo fanden sich Hinweise, wer denn nun sein Vater gewesen sein könnte. Doch die heutige Wissenschaft gibt uns Antworten auf dieses Rätsel.

Wer ist die Mumie im Grab KV 55?

Seit den DNA-Tests steht fest, dass die Mumie im Grab KV55 im Tal der Könige der Vater Tutanchamuns ist. Doch wer ist diese Mumie? In der Grabkammer seines Vaters fanden sich Gegenstände mit allen möglichen Namen aus der Familie Echnatons: von seinen Eltern Amenophis III. und Teje, seiner Schwester Sitamun, von Tutanchamun und Echnaton selbst. Aber die Kartuschen am Sarkophag waren ausgekratzt, das Gesicht ausgeschlagen. Und das war das Schlimmste, was man einem Toten antun konnte, denn ohne geschriebenen Namen gab es für ihn kein Leben im Jenseits – er starb einen endgültigen Tod.

Eine solche Zerstörungswut lässt daher eigentlich nur auf den verhassten Ketzerpharao Echnaton schließen.

Oder doch Semenchkare?

Doch die Sache hatte bis vor kurzem noch einen Haken: Die Mumie ist in einem sehr schlechten Zustand und frühere Untersuchungen besagten, dass es sich bei dieser Mumie um einen 20-25-jährigen Mannes handeln müsste. So jung kann Echnaton, der 17 Jahre lang regierte, bei Eintritt seines Todes aber unmöglich gewesen sein.

Daher kam für viele Forscher nur Tutanchamuns Vorgänger Semenchkare in Frage. Die neuesten Untersuchungen stellten anhand einer altersbedingten Verkrümmung der Wirbelsäule sowie Arthrose in Knien und Beinen aber fest, dass der Mann im Grab KV55 im Alter von rund 40 Jahren gestorben ist. Vorausgesetzt, die letzten Ergebnisse sind korrekt, kann es sich bei der Mumie nur um Echnaton handeln.

Stand der jetzigen Forschung ist also, dass Echnaton der Vater Tutanchamuns war.

Relief von Echnaton, Nofretete und zwei seiner Töchter Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

Relief von Echnaton, Nofretete und zwei ihrer Töchter
Copyright Mohamed Ahmed Soliman | Dreamstime.com

Die Mutter

Noch geheimnisvoller ist die Frage, wer die Mutter Tutanchamuns war. War es Echnatons Hauptgemahlin Nofretete? Oder seine vielbenannte Ehefrau Kija, die lange Zeit als Favoritin galt? Auch hier ist zumindest die Mumie von Tutanchamuns Mutter identifiziert worden. Es handelt sich um die sogenannte “jüngere Dame” aus dem Grab KV35. Leider fehlen Inschriften mit dem Namen der Mumie. Laut der neuen DNA-Untersuchungen soll sie direkt mit Echnaton verwandt und vermutlich eine seiner Schwestern oder seine Kusine gewesen sein.

Nofretete als Mutter Tutanchamuns?

Auf jeden Fall war Tutanchamun ein Inzest-Kind, was bei den Pharaonen des alten Ägypten nicht weiter außergewöhnlich war, sollte doch das königliche Blut rein gehalten werden. Doch wird Nofretete nirgends als eine Tochter von Echnatons Eltern Amenophis III. und Teje erwähnt. Falls sie eine Kusine Echnatons gewesen ist, stellt sich die Sache schon ganz anders da. Nur warum wurde Nofretete immer nur zusammen mit ihren sechs Töchtern abgebildet und ausgerechnet nicht mit dem heißersehnten Thronerben? Leider gibt es gerade aus der Spätzeit von Echnatons Regierung sehr wenig archäologische Funde, was eine Erklärung dafür sein könnte. Sicherheit könnten nur neue Funde geben, in denen Nofretete eindeutig als Mutter benannt wird.

Die Nebenfrau Kija?

Nofretete kommt also höchstwahrscheinlich nicht als Mutter in Frage. Oder die Nebenfrau Kija? Wie bei Nofretete, steht in keiner bisher gefundenen Inschrift geschrieben, dass sie mit Echnaton verwandt war. Sie ist dadurch zwar nicht völlig aus dem Rennen, aber solange der schriftliche Beweis ihrer Blutsverwandtschaft mit Echnaton fehlt, scheidet sie erst mal aus. Bleiben noch die Töchter von Echnatons Vater Amenophis III.: Nebetiah, Iset, Sitamun, Henuttaunebu oder Baketaton (bei letztgenannter ist es unsicher, ob sie eine Tochter Amenophis III. oder eine Tochter Echnatons war). Doch bei keiner ist eine Heirat mit ihrem Bruder bekannt. Wer wirklich die Mutter Tutanchamuns war, bleibt also vorerst ein Rätsel.

Vielleicht wartet hinter den Mauern von Tutanchamuns Grab die Sensation auf uns und das Geheimnis über seine Herkunft wird dann endlich geklärt. 2015 erregte der Ägyptologe Nicholas Reeves mit seiner These, hinter der Grabwand von Tutanchamun liege das Grab der Nofretete einiges an Aufsehen (wir haben in mehreren Blog-Artikeln über “Nofretetes Grab” berichtet).

Anchesenamun – Tutanchamuns Gemahlin

Tutanchamun heiratete die drittälteste Tochter Echnatons und Nofretetes, die ihren Namen von Anchesenpaaton in Anchesenamun (“Sie lebt für Amun”) änderte. Eine Heirat in der eigenen Verwandtschaft war, wie bereits oben erwähnt, zu der damaligen Zeit im Herrscherhaus durchaus üblich. Anchesenamun war ca. 6 Jahre älter als ihr Gemahl. Auf Grabgegenständen sieht man die beiden in ganz intimen Szenen, in denen sie sich zärtlich liebkosen oder Anchesenamun sich voller Hingebung um ihren Gemahl kümmert. Die Szenen könnten einerseits ein Beweis dafür sein, dass sich die beiden Halbgeschwister wirklich liebten oder zumindest große Zuneigung füreinander empfanden. Andererseits könnte es auch einfache Propaganda sein. Denn schon Echnaton und Nofretete ließen sich in inniger Familienidylle abbilden, was in der ägyptischen Kunst in dieser Form völlig unüblich war.

Kinder hatte das Paar keine. In dem Grab befanden sich zwei mumifizierte Fehlgeburten. Anhand ihrer DNA versuchen die Wissenschaftler nun, die Mumie von Anchesenamun zu finden. Es deutet Einiges auf die Mumie hin, die im Grab KV21A im Tal der Könige lag. Weitere Tests an dieser Mumie sollen das Geheimnis lösen.