Wie schreibt man seinen Namen in Hieroglyphen? – für Fortgeschrittene

2. Das ägyptologische Alphabet und die ägyptischen Konsonanten

Inhaltsverzeichnis

Weithin bekannt ist mittlerweile, dass die Ägypter Lautzeichen hatten, die genau für einen Konsonanten (man könnte sagen einen Buchstaben) stehen.

Die Ägyptologen haben seit der Entzifferung durch Jean-François Champollion über Karl Richard Lepsius und Adolf Erman bis in neuere Zeit (beispielsweise Wolfgang Schenkel) immer genauer versucht herauszufinden, welche Konsonanten es sind, die die ägyptische Sprache besaß und die mit diesen Einkonsonantenzeichen geschrieben wurden. So entstand ein Transkriptionssystem mit sprachwissenschaftlichen „Buchstaben“ (im wesentlichen phonologische Zeichen, die den damals angenommenen Lautwerten des ägyptischen entsprechen sollten) und ein „Alphabet“, das heute das ägyptologische Alphabet genannt wird.

Dazu wurde eine Hilfsaussprache für die Ägyptologen entwickelt, die allerdings mit der tatsächlichen Aussprache ägyptischer Wörter nur wenig zu tun hat. Wir aber wollen unsere Namen aber möglichst so schreiben, wie die Ägypter sie geschrieben hätten, d.h. wir müssen wissen, welche Laute die Ägypter schreiben konnten, und welche Laute in unseren Namen vorkommen. Es folgt deshalb eine Tabelle, in der nicht wie üblich die Hilfsaussprache der Ägyptologen steht, sondern, soweit wir es nach heutigem Kenntnisstand annehmen können, die Lautwerte der ägyptischen Sprache und zwar in der in der Sprachwissenschaft üblichen Notation (für den Laien stehen aber Beispiele im Deutschen oder einer anderen Sprache dabei). Zum Vergleich stehen die üblichen Transkriptionszeichen.2

a-umschriftursprünglich /r/ oder /l/
später /ʔ/
ursprünglich vielleicht also wie Rolf
für /ʔ/ siehe die folgende Anmerkung
j/ʔ/im Deutschen als Buchstabe nicht vorhanden, aber als Laut dennoch stets bei vokalischem Wortanfang wie bei ʔAnna oder zwischen zwei Vokalen wie in BeʔAte
y/j/wie Jens
ah-umschriftursprünglich /d/
später /ʕ/
ursprünglich vielleicht also wie Doris
der spätere Laut /ʕ/ ist im Deutschen und den meisten europäischen Sprachen nicht vorhanden. Wie arab. ʕain (Reibelaut im Rachen)
w/w/im Deutschen nicht vorhanden
wie engl. William
b/b/wie Bernd
p/p/wie Paula
fUrsprünglich /pʔ/
später vielleicht /f/
im Deutschen nicht vorhanden (/p/ mit unmittelbar folgendem Knacklaut), später wie Fabian
m/m/wie Marie
n/n/wie Norbert
r/r/ und vielleicht auch /l/wie Robert
h/h/wie Horst
h-punkt-umschrift/ħ/im Deutschen nicht vorhanden, wie in arab. Ahmad
h-bogen-umschrift/ɣ/ oder /x/wie in Kuchen
h-unterstrich-umschrift/χ/ oder /ç/wie in Mariechen
s/s/wie Tobias (stimmlos!), Celine oder Fritz
z/z/wie Sarah (stimmhaft!)
sch-umschrift/ʃ/wie in Sascha
k/kʔ/im Deutschen nicht vorhanden (/k/ mit unmittelbar folgendem Knacklaut)
q/k/wie Kevin oder Carina
g/g/wie Günther
t/t/Wie Tabea
t-unterstrich-umschrift/tʃ/wie engl. Charlie
d/tʔ/im Deutschen nicht vorhanden (/t/ mit unmittelbar folgendem Knacklaut
d-unterstrich-umschrift/tʔʃ/im Deutschen nicht vorhanden (/t/ mit unmittelbar folgendem Knacklaut und palatalisiert)

Diese Tabelle macht nicht nur deutlich, dass das Ägyptische teilweise völlig andere Konsonanten besaß, als das Deutsche (wie es auch Konsonanten gibt, die das Ägyptische nicht kennt, beispielsweise das /kw/ wie Quentin oder der Buchstabe x, der eigentlich ein Doppellaut ist), sondern auch, dass das deutsche Buchstabenalphabet mitunter uneindeutig ist: einige Laute werden gar nicht geschrieben wie das /ʔ/ in Beate (gesprochen Beʔate) oder das /j/ in Marius (gesprochen Marijus), einige Buchstaben werden verschieden ausgesprochen, wie das c in Celine und Carina, und für andere Laute werden zwei oder gar drei Buchstaben benötigt, beispielsweise sch für den Laut /ʃ/.

Versuchen wir dennoch einen Namen mithilfe der Einkonsonantenzeichen zu schreiben und erinnern wir uns daran, dass das Ägyptische keine Vokale notiert (einen Namen wie Jochen schreiben zu wollen, wäre ohnehin gescheitert, weil das Klassisch-Ägyptische nur die Vokale /a/, /i/ und /u/ kannte; Erst am Ende des Neuen Reiches kamen /o/ und /e/ hinzu!).

Der Name Alexander wird /ʔaleksander/ gesprochen. Man reduziere dies auf das reine Konsonantengerüst /ʔlksndr/ und schreibe dann Konsonant für Konsonant. Dabei stößt man auf zwei Probleme: /l/ und /r/ werden beide mit der gleichen Hieroglyphe geschrieben und es gibt im klassisch-ägyptischen kein /d/! Man könnte stattdessen den Arm wählen, der vermutlich zur Zeit der Schriftentwicklung den Laut /d/ beschrieb. Das Ergebnis lautet: alexander2

Momentchen mal! Könnte das Geschriebene nicht auch Alexandra heißen? Ja, natürlich, aber in echt ägyptischer Manier kann man auch ein Determinativ hinzufügen, um alle Zweifel zu beseitigen: für Alexander und alexander-frau für Alexandra