Medizin und Krankheiten

Die Krankheiten der alten Ägypter

Inhaltsverzeichnis

Arteriosklerose, Arthritis und Zahnschmerzen

Das Swiss Mummy Projekt, unter der Leitung von Dr. Frank Rühli, wertete die Berichte von über 3000 untersuchten Mumien aus, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammten und zwischen 2000 – 3500 Jahre alt waren.

18% von ihnen müssen zu Lebzeiten unter üblen Zahnschmerzen gelitten haben, denn ihre Zähne waren in einem sehr schlimmen Zustand. Unter 85 einzeln aufgelisteten Mumien, litten 15 unter degenerative Krankheiten wie Arteriosklerose und insbesondere Arthritis (kurze Erläuterungen zu den Krankheiten, siehe weiter unten).

Infektiöse Erkrankungen konnten ebenfalls mehrfach festgestellt werden. Drei Verstorbene hatten zu Lebzeiten mit einer chronischen Mittelohrentzündung zu kämpfen. Doch auch Tuberkulose-Erreger und die Noma-Krankheit konnten identifiziert werden. In sieben Mumien fand sich der Parasit Plasmodium falciparum – Verursacher der gefährlichsten Form von Malaria. In zehn Mumien entdeckten die Wissenschaftler tumorhafte Auswüchse, die in vier Fällen bösartig gewesen sein könnten. Elf litten an unterschiedlichen Lungenerkrankungen.

Obwohl viele Krankheiten identifiziert werden konnten, war es den Wissenschaftlern nur in vier Fällen möglich, die Todesursache zweifelsfrei festzustellen.

Krankheiten, an denen die alten Ägypter litten, waren u.a.:

Arteriosklerose
Die Arterienverkalkung gilt heutzutage als „Volkskrankheit“ und wird nach heutigen Erkenntnissen von zu viel Essen, zu wenig Bewegung und zu viel Stress ausgelöst.

Tuberkulose
Die „Schwindsucht“ ist eine bakterielle Erkrankung. Wissenschaftler der Universität München konnten die Bakterien in der Erbsubstanz der alten Ägyptern feststellen.

Noma-Krankheit
Bei dieser Krankheit, die hauptsächlich Kinder befallen hat, entwickeln sich Bakterien auf der Mundschleimhaut und zerfressen von da aus andere Knochen- und Weichteile des Gesichts.

Diabetes
Bei Mumien fanden Forscher Hinweise auf Osteopenie (Knochenschwund), der bei Diabetes-Patienten häufig vorkommt.

Arthrose
Die oftmals schwer arbeitenden Ägypter litten häufig am Verschleiß ihrer Gelenke

Skorbut
Eine Vitaminmangelkrankheit, die nach mehrwöchiger Nichtaufnahme von Vitamin C auftritt und u.a. zu Erschöpfung, Hautkrankheiten und einem schwachen Immunsystem führt.

Rachitis
Bei fehlendem Vitamin D, kommt es zu einer Störung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels, die Skelettveränderungen (Beckenverformung, Knochenerweichung, Wirbelsäulenverkrümmung, Verbiegung der Beinknochen) zur Folge hat.

Tumore
Auch damals gab es schon eine Reihe von bösartigen Tumoren. Besonders Knochenkrebs war im alten Ägypten sehr verbreitet.

Würmer
In manchen Mumien entdeckte man verschiedene Parasiten. Besonders häufig fand man Würmer, wie Bandwürmer, Spülwürmer und Leberegel – und das nicht nur in der Unterschicht. Eine weit verbreitete Krankheit war die Bilharziose, die durch Schistosmoma-Würmer hervorgerufen wird, die sich im Nil in kleinen Wasserschnecken entwickelten. Auch im heutigen Ägypten leiden noch viele Menschen an diesen Parasiten.

Malaria
Pharao Tutanchamun litt an dieser von weiblichen Stechmücken übertragenden Krankheit. Überlebte ein Ägypter Malaria im Kindesalter, war er als Erwachsener bis zu einem gewissen Grad immun gegen die Parasiten der Gattung Plasmodium.

Läuse
In Haaren und Gebissen fand man Überreste von Läusen und deren Eiern.

Augenkrankheiten
Bei dem feucht-warmen Klima im Nildelta und den Sandverwehungen in der Wüste, konnten sich die Ägypter schnell Augenkrankheiten holen.

Lungenschäden
Sowohl der Sand als auch insbesondere der Rauch von Feuer und Öllampen, waren der Auslöser für diverse Lungenkrankheiten.

Zahnschäden
Die meisten Ägypter hatten sehr schlechte Zähne. Das lag einmal am Sand und an dem Steinstaub vom Mahlstein, die unwillkürlich in das Brot eingebacken wurden und die Zähne abschmirgelte, aber auch an der recht schlechten Zahnhygiene, die ein Auslöser für Karies und Paradontose war. Man fand auch Abszesse in den Mündern mancher Mumien. Immerhin wussten sich die Ägypter in einigen Fällen doch zu helfen. Bei einer Mumie des alten Reiches wurde eine Brücke aus Golddraht zwischen zwei Zähnen entdeckt (wobei sie wahrscheinlich zu rein kosmetischen Zwecken der Mumie angelegt wurde. Eine Brücke aus Golddraht, die einem Ägypter wahrscheinlich zu Lebzeiten angebracht wurde, stammt aus der griechisch-römischen Epoche). In späterer Zeit wurden Zahnlöcher mit „Abgeriebenem vom Mühlenstein“, Ocker und Honig gefüllt.