Essen und Trinken

Was die alten Ägypter gegessen haben, wissen wir aus den Gräbern der Reichen. Nach dem Tod wollte man im Jenseits nicht hungern und so malte man Speisen und Getränke in die Gräber oder reichte auch echte Opfergaben dar. Leider ist es uns aber heute nicht mehr möglich die genauen Rezepte der einzelnen Gerichte herauszubekommen, denn leider schrieben die alten Ägypter nichts dergleichen nieder.

Die Grundnahrungsmittel in Ägypten waren Brot und Bier. Damit wurden auch die Arbeiter in den Steinbrüchen und bei großen Bauprojekten entlohnt.

Getränke

Speisen

Das aßen die Armen

So speisten die Reichen

So wurde geschmaust

Opfertisch
Opfertisch
ganz oben eine Lattichpflanze und Bündel mit Lauchzwiebeln, darunter eine Schale mit Feigen, Weintrauben, ein paar Gurkenförmige Kürbisse, zwei Gänse (eine schon ausgerupft), Kopf, Vorderbein und Rippenstücke vom Rind. Dazwischen mehrere Kuchen und Brote.

 

Getränke

Bier
Über das Brauen von Bier (henket) gibt es verschiedene Theorien. Manche sind der Meinung, dass die alten Ägypter ihr Bier mit Gerste herstellten, manche wiederum mit Getreide. Dazu feuchteten sie zerstoßenes Getreide an, das in Stücken leicht gebacken und später in Bottichen zertreten und gegärt wurde. 
Der Fund in einer Küche des Palastes von Amarna lässt darauf schließen, dass im alten Ägypten Bier schon richtig gebraut wurde. Mälzen war ihnen nicht neu. Bier bestand nach den Untersuchen der dort gefunden Reste hauptsächlich aus Emmerweizen, Koriander und Wacholder und hatte ungefähr 6 % Alkoholanteil. Um es lange haltbar zu machen, wurde es mit Dattelsaft gesüßt, was das Bier natürlich besonders zuckerhaltig machte. Karies war eine weit verbreitete Krankheit im alten Ägypten. 

Weine
Wein (irep) war nur den Reichen vorbehalten. Die alten Ägypter liebten ihren Wein sehr süß, denn sie mischten ihn häufig mit Honig. Aber auch andere Aromen fanden Zugang. Im Alten Reich sind uns sechs Sorten Wein bekannt, u.a. Rotweine, Weißweine und Schwarzweine.
Der Wein wurde aus Vorderasien und besonders aus Syrien importiert. Aber auch in Ägypten kelterte man Wein. Weinstöcke pflanzte man in Gruben, die mit Nilschlamm aufgefüllt waren. Die besten ägyptischen Weingüter lagen im Nildelta und in den Oasen. Sie gehörten hauptsächlich dem Staat, aber auch reiche Privatleute konnten sich brüsten, ein eigenes Weingut zu besitzen.
Die Herstellung des Weines fand wie folgt statt:
Nach der Lese wurden die Trauben in ein großes Becken gelegt, in dem Männer die Beeren mit ihrem Füßen zerstampften. Der dadurch entstandene Saft lief durch einen seitlichen Ausfluss in ein Gefäß. Die Maische (Die Substanz, die nach dem Auspressen der Reben übrig bleibt) presste man in einer Sackpresse aus. Dazu drehten Männer lange Stangen in gegenläufige Richtungen, während ein weiterer die Stangen auseinander drückte.
Die erste, "stille" Gärung des Traubenmosts fand noch im Tretbottich statt, die zweite, "stürmische" Gärung erst nach Abfüllung in den Weinamphoren. Zum Schluss wurden die Amphoren mit Lehmstöpseln verschlossen. In den Lehmstöpseln stach man kleine Löcher, damit das Kohlendioxid austreten konnte.


Bei der Weinlese
Bei der Weinlese und Weinzubereitung
Jeder Wein wurde mit dem Regierungsjahr des Herrschers und dem Namen des Winzers versehen.
Auf einem Weinkrug in Tutanchamuns Grab fand man folgende Aufschrift: Jahr 4 (von Tutanchamuns Regierung), süßer Wein aus dem Haus des Aton - er lebe, bleibe heil und gesund! - vom westlichen Ufer Oberwinzer Apereshop (Der Wein im Krug war übrigens völlig ausgetrocknet)


Milch und Wasser
Natürlich wurde im alten Ägypten auch Wasser getrunken, wenn auch bei weitem nicht so gerne wie Milch (irtet), die meistens von Kühen, aber auch von Schafen und Ziegen stammte. Das Hauptgetränk blieb aber immer noch das Bier.

Speisen

Brot
Das Brot bestand entweder aus Emmer (Vorläufer des Weizens), Weizen oder aus Einkorn, das sehr resistent gegen Schädlinge ist und einen nussigen Geschmack hat. Aber auch andere Getreidearten kannten die alten Ägypter schon - im Alten Reich allein 20.
Brotbacken war Aufgabe der Frau. Die Körner wurden zuerst auf einem Mahlstein zerrieben, dann kamen Hefe und Wasser oder Eier und Milch hinzu und je nach Geschmack wurde es mit Salz, Gewürzen und manchmal sogar mit Datteln oder Lotus angereichert. Aus den ganzen Zutaten wurde ein Teig geknetet, der in einem Ofen gebacken wurde. 140 Brot-Sorten mit verschiedenen Rezepturen, Größen und Formen sind bekannt. 
Weil die alten Ägypter die Körner zwischen flachen Steinscheiben mahlten, war das Brot mit feinen Steinpartikeln  versehen. Durch diese kleinen Partikel und dem Wüstensand, der sich in Ägypten kaum vermeiden ließ, wurden die Zähne der alten Ägypter regelrecht abgeschmirgelt.

 

Fleisch und Fisch
Gänse, Enten, Tauben, Kraniche, Wachteln und kleine Singvögel waren einige der Delikatessen im alten Ägypten. Fleisch, besonders Rind, aber auch Ziegen- Schaf und Schweinefleisch wurden ebenfalls gerne gegessen. Es wurden nicht nur die vorhin genannten Tiere zur Mast gehalten, sondern auch Antilopen, Gazellen und Steinböcke. Fleisch kochte man in großen Töpfen oder grillte man auf offenem Feuer, das entweder mit Holzkohle oder mit Holz und Dung brannte. Zur längeren Erhaltung des Fleisches wurde es gepökelt und getrocknet. Auch Fische wurden gekocht, getrocknet und gesalzen.

Gemüse
Lattich, Knoblauch, Gurken, Lauch, Zwiebeln, Kresse, Portulak, Kürbisse, Wurzelstock, Samen vom Lotus und Teile der Papyruspflanze waren gern gesehene Gemüsesorten der alten Ägypter

Obst
Frisch oder getrocknet aß man Feigen, Sykomorenfeigen, Datteln, Melonen, Trauben, seit dem Neuen Reich auch Granatäpfel, die zuerst aus Vorderasien importiert, später aber auch selbst kultivieret wurden. In der Spätzeit auch Oliven.

Hülsenfrüchte
Linsen, Saubohnen, Erbsen, Kichererbsen und Bochshornklee waren die Hülsenfrüchte der alten Ägypter.

Gewürze
Über Gewürze wissen wir relativ wenig. In der Arbeitersiedlung von Amarna wurden kleine Säckchen mit Koriandersamen gefunden. Die uns bekannten Gewürzpflanzen, wie Koriander, Dill, Kreuz- und Schwarzkümmel, Senfkörner und Wacholderbeeren sind nur aus medizinischen Papyri bekannt.

Kuchen und Süßigkeiten
Die Zubereitung des Kuchens war ähnlich wie beim Brot, nur wurde der Teig noch mit Fett und süßen Datteln verfeinert. Aber natürlich gab es auch hier Varianten. Das Grab des Wesir Rechmires zeigt die Herstellung von Kuchen aus zerstampften "Erdmandeln", Wurzelknollen eines Zyperngrasgewächses (nussartiger Geschmack), der mit Honig gesüßt und im Fett gebacken wurde. Als kleine Nascherei nebenher waren besonders Honig, Beeren des Johannisbrotbaums und auch andere Obstsorten beliebt.

Das aßen die Armen

Die Unterschicht hatte eher einen kleinen Speiseplan. Brot und Bier gehörten natürlich dazu. Hinzu kamen Datteln, Feigen und Trauben. Stängel der Lotusblumen und des Papyrus' und die Frucht der Lilie war ebenfalls auf dem Speiseplan der Armen vertreten. Seltener aß man Geflügel, wie Gans und Ente. Fleisch aß meistens nur die gehobene Schicht, da es besonders teuer war. Ein Rind kostete 50 Deben, wohingegen ein Sack Emmer nur 1 Deben, 5 Liter Bier 2 Deben kostete.

So speisten die Reichen

Die Oberschicht konnte natürlich auf alle oben genannten Speisen und Getränke zugreifen. Eine vollständige Mahlzeit (außer zwei Gerichte) konnten Chemiker in einem Grab einer Frau, die vor mehr als 5000 Jahren in der 2. Dynastie lebte, rekonstruieren:
Brot, Gerstenbrei, ein gekochter Fisch und eine gekochte Wachtel, Taubenragout, zwei gekochte Nieren, Rippen und Schenkel vom Ochsen. Für den süßen Magen Beeren, gedünstetes Obst (wahrscheinlich Feigen), mit Honig gesüßte kleine runde Kuchen und mehrere Käsesorten. Die genauen Rezepte konnten aber auch hier nicht rekonstruiert werden.

So wurde geschmaust

Die Mahlzeiten wurden auf Ton- Stein- oder Fayencegefäßen dargereicht und mit den Fingern gegessen. Wasserschalen zum Säubern der Hände standen immer griffbereit. Zum Mahl setzte man sich auf Matten oder kleinen Hockern und speiste von kleinen Tischen.