Medizin und Krankheiten

Medizin in der Antike bestand in den meisten Fällen aus einer Mischung aus Magie und seriösen Handlungsmethoden. Die Ärzte der alten Ägypter hielten es nicht anders. Ihre Medizin war dabei häufig recht wirksam – allerdings nicht immer. Dennoch waren die ägyptische Medizin und die praktizierenden Ärzte weit über die Grenzen hinaus berühmt und so mancher fremdländischer Herrscher bat bei bedrohlichen Krankheiten aus Zweifel an den Heilmethoden der eigenen Quacksalber lieber um die Entsendung eines ägyptischen Arztes.

Ein Mädchen zieht einem anderen ein Dorn aus dem Fuß
Grab des Menna (TT69)
Neues Reich, 18. Dynastie

Ärzte im alten Ägypten

Arzt war ein sehr angesehener Beruf, der in den Tempeln des Landes, im so genannten „Haus des Lebens“ unterrichtet wurde. Hier lernten die angehenden Mediziner die Kunst des Heilens, chirurgische Eingriffe, die Wirkung verschiedener Mittel und Heilpflanzen und die Anatomie des Menschen. Wenn die Lehrlinge mit der Ausbildung fertig waren, arbeiteten sie zumeist weiterhin in Tempeln und waren so Priester und Heiler zugleich. Wahrscheinlich kamen die Patienten zum „Haus des Lebens“, um sich dort heilen zu lassen. In Notfällen, und sicher auch bei reichen Patienten, machte ein Arzt aber auch Hausbesuche. Einige Vertreter ihrer Zunft reisten mit der ägyptischen Armee, um die Verwundeten zu versorgen. Andere praktizierten auf großen Landgütern der Oberschicht und wieder andere arbeiteten auf Baustellen, wo Brüche und Quetschungen an der Tagesordnung waren. Eine Ehre war es natürlich, am Hof des Pharaos zu praktizieren. Das höchste Ansehen genoss dabei natürlich der Leibarzt des Pharaos.

Ärztinnen waren übrigens die Ausnahme. Ältere Frauen halfen bei der Geburtsvorbereitung und fungierten als Hebamme. Wenn die Kinder mal krank wurden, rief man nicht gleich einen Arzt sondern erbat von diesen Frauen nützliche Hausmittel aus Pflanzen und Heilkräutern.

„Alles ist voll von Ärzten!“…

Statue des Imhotep – Arzt und Wesir, der in späterer Zeit vergöttlicht wurde.
Imhotep Museum Sakkara

…stellte der Grieche Herodot erstaunt fest, „Es gibt Ärzte für die Augen, für den Kopf, für die Zähne, für den Bauch und für die unsichtbaren (Anm. der Verfasserin: inneren) Krankheiten“.1 Es gab eine Menge Spezialisten in Ägypten, ganz zu schweigen von den vielen Ehrentitel wie „Hirte des Darms“ oder „Hüter des Afters“. Und da die Ägypter von Hierarchien und Ämtertiteln geradezu besessen waren, gab es für die Heiler gleich mehrere Rang- und Ärztetitel. Es gab „normale“ Hofärzte, Leiter, Oberste, Älteste, usw. So gab es den „Zahnarzt“, den „Vorsteher der Zahnärzte“, den „Ober-Zahnarzt“, den „Ober-Zahnkundigen“ und den „Obersten der Zahnärzte im Palast des Pharao“. Letztgenannten Titel führte ein Arzt namens Psammetich Seneb aus der 26. Dynastie, der zudem noch die Titel „Oberster der Ärzte“ und „Ältester der Ärzte“ führte.

Natürlich konnte sich ein Arzt auch auf mehrere Bereiche spezialisieren oder ein Arzt für alles sein, wie es bei den Heilern für das gemeine Volk wahrscheinlich der Fall war.
Es war auch nichts Außergewöhnliches, wenn ein Arzt noch einen zweiten oder gar dritten Beruf ausübte. Einer der bekanntesten Ärzte, Imhotep, war nebenbei noch Wesir – übte also das wichtigste Amt des Staates aus und erbaute auch noch als Architekt und Baumeister das älteste Steinmonument der Weltgeschichte (die Stufenpyramide von Sakkara). Kein Wunder also, dass seine Landsleute ihn nach seinem Tod zum Gott erhoben.

Die Kunst des Heilens

Wir wissen heute so einiges über die Heilkunst der ägyptischen Ärzte, u.a. dank des medizinischen Papyrus Ebers (benannt nach Georg Ebers, der den Papyrus 1872/73 für das Leipziger Museum erwarb), der irgendwann nach 1800 v. Chr. entstanden sein muss. Er ist eine Art Leitfaden für Ärzte, denn in ihm sind Untersuchungsregeln, Diagnosen, Therapien und Heilungsaussichten vermerkt. Daneben beinhaltet er auch magische Texte (die Unterstützung der Götter konnte man ja immer gebrauchen) und kurze Einweisungen in die Anatomie. Diese mutet mit unserem heutigen Wissen allerdings sehr seltsam an.

Die Anatomie des Menschen

Das Herz war das zentrale Organ des Körpers. Es war der Sitz des Denkens und Fühlens. Von ihm, so glaubten die Ägypter, gingen 22 Gefäße zu den verschiedensten Teilen des Körpers. Durch dieses Kanalsystem floss hauptsächlich Luft und Wasser. Beide Stoffe waren nach dem Glauben der alten Ägypter lebenswichtig für die Versorgung des gesamten menschlichen Körpers. An verschiedenen Stellen des Körpers flossen aber auch andere Körpersäfte, wie Tränen, Kot, Urin oder männliche Samen. Immerhin wussten sie schon, dass die eingeatmete Luft zur Lunge und zum Herzen ging. Gleichzeitig glaubten sie aber, dass sich die Speisen durch die gleiche Röhre wie die Luft den Weg durch den Körper bahnten.

Es verwundert einen schon, dass die alten Ägypter eine so seltsame Auffassung des Körpers hatten. Hatten die Ägypter mit ihrer Mumifizierungstechnik denn keine genaueren Kenntnisse der Anatomie? Leider nein. Denn die Ärzte hatten mit den Einbalsamierern nichts am Hut und umgekehrt. Die Einbalsamierer galten als „unrein“ und vor seinem Dahinscheiden, wollte man möglichst nichts mit ihnen zu tun haben. Das Sezieren eines toten Körpers galt außerdem als höchst verwerflich, war der Körper doch ein wichtiger Bestandteil für das ewige Leben (siehe Totenkult und Mumien). Das Wissen der Ägypter über die inneren Organe stammt hauptsächlich von Tieren. Dies belegen die Hieroglyphen. Die Zeichen für alle äußeren Organe (Nase, Augen, Ohre, etc.) sind nach menschlichem Vorbild gezeichnet, die inneren Organe nach tierischem.

Wie entstehen Krankheiten?

Die Funktion der Gefäße spielte bei den ägyptischen Ärzten eine große Rolle bei der Entstehung der Krankheiten. Sie wussten immerhin schon, dass bei der Nahrungsaufnahme die Nahrungsmittel über den Magen weiter an den Darm gegeben und letztendlich ausgeschieden werden. Geriet dieser Kreislauf aber ins Stocken, so glaubten sie, blieben die Nahrungsmittel im Körper und verwandelten sich in Schleim- und Schmerzstoffe. Da verwundert es nicht, dass laut Herodot die Ägypter drei Tage hintereinander jeden Monat Abführmittel nahmen und mit Brechmitteln und Klistieren für ihre Gesundheit sorgten.

Wenn also etwas nicht in Ordnung war, lag es meistens an den Gefäßen, die statt gesunder Luft und gesundem Wasser, schädliche Stoffe durch den Körper leiteten. Als Beispiel sollen hier zwei verschiedenen Nasenkrankheiten aufgeführt werden:
Zur Nase führten angeblich vier Gefäße mit Luft und Wasser. Bei einem Schnupfen führten aber zwei Gefäße Schleim durch die Nase, bei Nasenbluten führten die anderen beiden Gefäße Blut.

Doch was war der Auslöser, wenn durch die Gefäße Flüssigkeiten liefen, die dort eigentlich gar nicht hingehörten? Wenn eine natürliche Erklärung (z.B. Knochenbrüche, Wunden oder Völlerei) nicht gegeben war, mussten die Ägypter auf andere Verursacher zurückgreifen, und das waren in den meisten Fällen böse Götter oder Dämonen. Die Dämonen konnten von den Göttern als Strafe für eine schlimme Tat aber auch von einem anderen, dem Kranken nicht wohlgesinnten Menschen kommen. Die Dämonen nisteten sich durch einen „Hauch“ oder Schlag in den Körper des Menschen ein. Aber auch die Geister von Verstorbenen konnten den Menschen allerlei Schaden und Krankheiten zufügen.

Magie und Medizin

Für die alten Ägypter war beides kein Widerspruch. Bei den magischen Ritualen wurden Götter angerufen und angefleht, die Krankheit der betreffenden Person zu heilen. Es gab dabei keinen Leitfaden, bei welchen Krankheiten die ägyptischen Ärzte Magie und bei welchen sie „normale“ Behandlungsmethoden verwendeten. In den meisten Fällen erhoffte man sich eine Genesung durch die Kombination beider Methoden.

Egal ob die Krankheit durch unerklärliche Umstände (z.B. Fieber) oder durch Ungeschick oder Unachtsamkeit (z.B. Skorpionstich) hervorgerufen wurde – ein Dämon war, wie bereits oben erwähnt, in der Regel immer in Spiel. Ein böser Dämon konnte einen Skorpion dazu angestachelt haben, den Patienten zu stechen. Das Fieber, das für die Ägypter auf unerklärliche Art und Weise nach so einem Stich auftrat, konnte ebenfalls von einer übelgelaunten höheren Macht stammen. Und neben einer angesetzten Therapie oder eines zusammengebrauten Heilmittels konnte es bestimmt nicht schaden, mit Hilfe von Zaubersprüchen ebenfalls Genesung zu erflehen und zusätzlich auch noch nach göttlichem Beistand zu rufen.

Rezitiert wurden die Zaubersprüche hauptsächlich vom Arzt. Es gibt Vermutungen, dass ein spezieller Magier die Sprüche aufsagte, was aber noch zu beweisen wäre. In einigen Fällen musste der Patient auch selbst darum bitten, dass der böse Dämon seinen Leib verlässt.

Der Arzt bzw. der Patient durfte die Sprüche aber keinesfalls einfach so herunterspulen. Sie mussten mehrere Male wiederholt werden (zumeist vier oder sieben Male; die Vier und die Sieben galten als magische Zahlen), der Rezitierende musste vorgegebene Kleider oder Objekte (z.B. eine Pflanze) tragen und bestimmte Formeln durften nur zu einer bestimmten Tageszeit vorgetragen werden. Bei einem Spruch durfte auch keinesfalls ein Esel in der Nähe sein (der Esel galt als Tier des bösen Gottes Seth).

Es gab verschiedene Behandlungsmethoden mit Zaubersprüchen:

  • Der Patient und dessen Krankheit wurde mit Göttern gleichgesetzt und Vergleiche aus der Mythologie gezogen und zitiert (Beispiel: in einem Mythos verletzte der böse Gott Seth den Gott Horus am Auge. Bei einer Augenverletzung war der Patient also der Gott Horus, die Verletzung sein Feind Seth. Also wurde die Göttin Isis angerufen, um ihren Sohn Horus (den Patienten) vor Seth (der Krankheit) zu beschützen.
  • Bei den so genannten „Begleitsprüchen“ rezitierte der behandelnde Arzt die Zaubersprüche bei seinen Handlungen (beim Verabreichen von Medizin, beim Auftragen einer Salbe oder beim Lösen eines Verbandes)
  • Der Arzt erkannte den bösen Gott oder den Dämon, der die Krankheit ausgelöst hatte und nannte ihn bei seinem Namen. „Fließe aus, Schnupfen, Sohn des Schnupfens, … komme heraus auf die Erde, verfaule, verfaule!“2 Der böse Dämon „Sohn des Schnupfens“ sollte mit dem Spruch möglichst schnell aus dem Körper des Patienten verschwinden.
  • Der Patient musste sich den Spruch „einverleiben“, indem ein Spruch auf die Hand des Patienten geschrieben wurde und dieser ihn ablecken musste. Bei einer offenen Wunde schrieb der Arzt einen magischen Spruch oder legte ein Amulett direkt an die Stelle des Verbandes, der auf die Wunde gelegt wurde.
  • Der Patient musste schutzbringende Amulette tragen, die teilweise zusätzlich mit einem heilenden Gebräu getränkt wurden. Götter-Modelle aus Ton oder Wachs wurden auf die zu behandelnde Stelle gelegt oder als Orakel für den Ausgang einer Krankheit benutzt.
  • Der Arzt rezitierte magische Worte bei der Zusammensetzung eines Heilmittels (es gab dazu noch bestimmte Sprüche für einzelne Ingredienzien wie Öl, Honig und Bier sowie für Hilfsmittel wie Messbecher und Scheffel)
  • Krankheiten wurden mittels Magie auf Tiere übertragen

Am häufigsten wurde der Gott Thot angerufen, der als Verfasser von sechs medizinischen Texten galt (über den Körperbau, über Krankheiten, über die Geräte des Arztes, über Heilmittel, Augenkrankheiten und Frauenleiden). Ein weiterer wichtiger Gott war Horus, der über den bösen Gott → Seth siegte und somit Sinnbild für einen erfolgreichen Kampf gegen alles Üble war. Die löwenköpfige Sachmet war ebenfalls eine gern angerufene Göttin, denn sie galt sowohl als Verursacherin von Krankheiten als auch als Heilerin der von ihr verursachten Unpässlichkeiten.

Arzneien und Rezepturen

Die Arzneien der ägyptischen Ärzte wurden aus etlichen pflanzlichen und tierischen Stoffen hergestellt. Die Produkte wurden aber im Gegensatz zu heute nicht gewogen sondern in Volumen gemessen. Die kleinste Einheit war ein „ro“ und entspricht ungefähr 14 Milliliter. Die Heiler gingen dabei sehr akribisch zur Sache. Die überlieferten Rezepturen konnten bis zu 37 Komponenten enthalten. Insgesamt gab es mindestens 160 Pflanzenprodukte, wie z.B. Myrrhe, Datteln oder Sellerie. Da es keine detaillierten Pflanzenbeschreibungen gibt, ist es den Ägyptologen bis heute noch nicht gelungen, alle verwendeten Pflanzen eindeutig zu bestimmen. Bisher sind nur ungefähr 30 identifiziert. Bei den Tierprodukten wurde z.B. Honig für die Heilung von Magen-Darm-Verstimmungen und Brandwunden sowie Geschwüren benutzt. Honig hat eine keimabtötende Wirkung, seine Verwendung war bei weniger schlimmen Fällen also durchaus von Erfolg gekrönt. Neben den tierischen und pflanzlichen Produkten kannten die alten Ägypter aber auch schon die Heilkräfte von Mineralien. So wurde ein Gemisch aus Natronsalzen auf die Wunde gelegt, um den Eiter aus ihr rauszuziehen. Das Umranden der Augen mit Malachit war nicht nur modisch sondern auch keimtötend. Auch viele andere Rezepturen waren nach Meinung der heutigen Mediziner erfolgreich. Der Papyrus Ebers schlägt z.B. eine Rezeptur „Zum Töten der Schlange im Bauch“ vor (mit der Schlange ist mit ziemlicher Sicherheit ein Bandwurm gemeint). Die Zutaten waren die Wurzel eines Granatapfelbaumes, Wasser und Tau. Die Wirkstoffe der Rezeptur sind Pyridin-Alkaloide, die das Nervensystem des Bandwurmes lähmen, so dass er sich von der Darmwand löst und schließlich ausgeschieden werden konnte.

Meister der Chirurgie

Relief eines Schrankes mit medizinischen Instrumenten.
Tempel von Kom Ombo
Ptolemäer-Zeit

Während die ägyptischen Ärzte in ihren Behandlungsmethoden mal mehr, mal weniger erfolgreich waren, schienen sie im Bereich der Chirurgie über sich hinauszuwachsen. Sie konnten erfolgreich Kopfverletzungen verarzten, in dem sie die Kopfhaut aufschnitten, Knochensplitter vorsichtig herausnahmen und anschließend die offene Wunde wieder vernähten. Damit waren die Heiler der alten Ägypter erfolgreicher als die Ärzte Anfang des 20. Jahrhunderts. Sogar Amputationen wurden erfolgreich durchgeführt. Bei der Mumie einer Frau fanden die Forscher eine Holzprothese für den großen Zeh, den die Frau – die Nutzungsspuren bezeugen dies – zu Lebzeiten tatsächlich angelegt hat. Zudem zeugt ein gut verheilter Amputationsstumpf von dem Können ihres behandelnden Arztes. Doch auch bei anderen Mumien fanden Forscher Belege für gut durchgeführte Amputationen, bei denen Gliedmaßen entweder abgeschnitten oder abgesägt wurden. Die Patienten mussten nach dem schweren Eingriff noch einige Zeit gelebt haben, denn die Stümpfe waren wie bei der oben genannten Patientin gut verheilt.
Desweiteren konnten die ägyptischen Heiler auch Knochenbrüche schienen und sogar eine Art Gipsverband anlegen. Sie nähten offene Wunden zu und renkten erfolgreich Schultern und Unterkiefer ein.

Die Krankheiten der alten Ägypter

Das Swiss Mummy Projekt, unter der Leitung von Dr. Frank Rühli, wertete die Berichte von über 3000 untersuchten Mumien aus, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammten und zwischen 2000 – 3500 Jahre alt waren. 18% von ihnen müssen zu Lebzeiten unter üblen Zahnschmerzen gelitten haben, denn ihre Zähne waren in einem sehr schlimmen Zustand. Unter 85 einzeln aufgelisteten Mumien, litten 15 unter degenerative Krankheiten wie Arteriosklerose und insbesondere Arthritis (kurze Erläuterungen zu den Krankheiten, siehe weiter unten). Infektiöse Erkrankungen konnten ebenfalls mehrfach festgestellt werden. Drei Verstorbene hatten zu Lebzeiten mit einer chronischen Mittelohrentzündung zu kämpfen. Doch auch Tuberkulose-Erreger und die Noma-Krankheit konnten identifiziert werden. In sieben Mumien fand sich der Parasit Plasmodium falciparum – Verursacher der gefährlichsten Form von Malaria. In zehn Mumien entdeckten die Wissenschaftler tumorhafte Auswüchse, die in vier Fällen bösartig gewesen sein könnten. Elf litten an unterschiedlichen Lungenerkrankungen.

Obwohl viele Krankheiten identifiziert werden konnten, war es den Wissenschaftlern nur in vier Fällen möglich, die Todesursache zweifelsfrei festzustellen.

Krankheiten, an denen die alten Ägypter litten, waren u.a.:

Arteriosklerose
Die Arterienverkalkung gilt heutzutage als „Volkskrankheit“ und wird nach heutigen Erkenntnissen von zu viel Essen, zu wenig Bewegung und zu viel Stress ausgelöst.

Tuberkulose
Die „Schwindsucht“ ist eine bakterielle Erkrankung. Wissenschaftler der Universität München konnten die Bakterien in der Erbsubstanz der alten Ägyptern feststellen.

Noma-Krankheit
Bei dieser Krankheit, die hauptsächlich Kinder befallen hat, entwickeln sich Bakterien auf der Mundschleimhaut und zerfressen von da aus andere Knochen- und Weichteile des Gesichts.

Diabetes
Bei Mumien fanden Forscher Hinweise auf Osteopenie (Knochenschwund), der bei Diabetes-Patienten häufig vorkommt.

Arthrose
Die oftmals schwer arbeitenden Ägypter litten häufig am Verschleiß ihrer Gelenke

Skorbut
Eine Vitaminmangelkrankheit, die nach mehrwöchiger Nichtaufnahme von Vitamin C auftritt und u.a. zu Erschöpfung, Hautkrankheiten und einem schwachen Immunsystem führt.

Rachitis
Bei fehlendem Vitamin D, kommt es zu einer Störung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels, die Skelettveränderungen (Beckenverformung, Knochenerweichung, Wirbelsäulenverkrümmung, Verbiegung der Beinknochen) zur Folge hat.

Tumore
Auch damals gab es schon eine Reihe von bösartigen Tumoren. Besonders Knochenkrebs war im alten Ägypten sehr verbreitet.

Würmer
In manchen Mumien entdeckte man verschiedene Parasiten. Besonders häufig fand man Würmer, wie Bandwürmer, Spülwürmer und Leberegel – und das nicht nur in der Unterschicht. Eine weit verbreitete Krankheit war die Bilharziose, die durch Schistosmoma-Würmer hervorgerufen wird, die sich im Nil in kleinen Wasserschnecken entwickelten. Auch im heutigen Ägypten leiden noch viele Menschen an diesen Parasiten.

Malaria
Pharao Tutanchamun litt an dieser von weiblichen Stechmücken übertragenden Krankheit. Überlebte ein Ägypter Malaria im Kindesalter, war er als Erwachsener bis zu einem gewissen Grad immun gegen die Parasiten der Gattung Plasmodium.

Läuse
In Haaren und Gebissen fand man Überreste von Läusen und deren Eiern.

Augenkrankheiten
Bei dem feucht-warmen Klima im Nildelta und den Sandverwehungen in der Wüste, konnten sich die Ägypter schnell Augenkrankheiten holen.

Lungenschäden
Sowohl der Sand als auch insbesondere der Rauch von Feuer und Öllampen, waren der Auslöser für diverse Lungenkrankheiten.

Zahnschäden
Die meisten Ägypter hatten sehr schlechte Zähne. Das lag einmal am Sand und an dem Steinstaub vom Mahlstein, die unwillkürlich in das Brot eingebacken wurden und die Zähne abschmirgelte, aber auch an der recht schlechten Zahnhygiene, die ein Auslöser für Karies und Paradontose war. Man fand auch Abszesse in den Mündern mancher Mumien. Immerhin wussten sich die Ägypter in einigen Fällen doch zu helfen. Bei einer Mumie des alten Reiches wurde eine Brücke aus Golddraht zwischen zwei Zähnen entdeckt (wobei sie wahrscheinlich zu rein kosmetischen Zwecken der Mumie angelegt wurde. Eine Brücke aus Golddraht, die einem Ägypter wahrscheinlich zu Lebzeiten angebracht wurde, stammt aus der griechisch-römischen Epoche). In späterer Zeit wurden Zahnlöcher mit „Abgeriebenem vom Mühlenstein“, Ocker und Honig gefüllt.

1zitiert aus Wolfhart Westendorf, Erwachen der Heilkunst. Medizin im alten Ägypten, S.242
2zitiert aus Wolfhart Westendorf, Erwachen der Heilkunst. Medizin im alten Ägypten, S.29

Das könnte Dich auch interessieren