Die Pharaonen

Wir haben den Begriff Pharao von den Griechen übernommen. Die alten Ägypter sagten zu ihrem Herrscher „Hoheit“, „Seine Majestät“, „Herr der Beiden Länder“, „Der zur Binse gehört“ (bedeutet: König von Oberägypten) oder „der zur Biene gehört“ (bedeutet: König von Unterägypten). Erst seit Thutmosis III. in der 18. Dynastie wurde der König auch „großes Haus“ – per-aa – genannt. Aber erst in der 22. Dynastie, als ein Libyer das Land regierte und die Geschichte des pharaonischen Ägypten auf das letzte Drittel zusteuerte, setzte sich der Begriff per-aa bei den Pharaonen durch. Der erste war „Pharao Scheschonq“. Von da an wurde der Begriff immer geläufiger, denn in kurz darauf entstandenen jüdischen Texten kann man immer wieder den Namen piraah – „großes Haus“ – für den ägyptischen Herrscher finden. Als „großes Haus“ bezeichneten die Ägypter den Palast des Königs. Auch wir benutzen so eine Ansprache für Regierungen noch heute, wenn wir z.B. vom „Weißen Haus“ sprechen und damit den Präsident der USA meinen.

Der falkenköpfige Horus war für die Pharaonen ein bedeutender Gott. Als die Götter noch unter den Menschen weilten, war Horus der König der Lebenden, während sein Vater Osiris im Totenreich herrschte. Die Pharaonen schmückten sich mit dem Titel „Lebender Horus“ und der älteste Königstitel war der „Horusname“.
Hier opfert Pharao Sethos I. Horus Weihrauch.
Tempel von Abydos
Neues Reich, 19. Dynastie

In den Köpfen vieler Menschen leben die Pharaonen als machtgierige Herrscher weiter, die wegen ihrer Ruhmsucht über Leichen gingen. Die ägyptische Bevölkerung soll beim Bau der Pyramiden unter erbärmlichsten Umständen gearbeitet und zu Tausenden ihr Leben verloren haben. Die Bibel stellt uns den Pharao als ruhmsüchtigen Machthaber dar, der auf dem Rücken der hebräischen Sklaven Denkmäler zu seinen Ehren errichten ließ und durch seinen Starrsinn, die Hebräer nicht freizulassen, Ägypten fast zugrunde gerichtet hätte. Doch wir wissen heute durch archäologische Funde rund um die Pyramiden, dass die Pharaonen ihre Arbeiter gut entlohnten und ihnen eine ausgezeichnete medizinische Versorgung boten. Und ob hebräische Sklaven jemals unter dem Joch der ägyptischen Könige gearbeitet haben, lässt sich aus ägyptischen Quellen nicht feststellen.
Sicher gehörte Bescheidenheit nicht gerade zu den Stärken der Pharaonen, aber sie waren ganz gewiss keine skrupellosen Despoten. Denn die Einhaltung der Maat, der Wahrheit und Gerechtigkeit, war des Pharaos Hauptaufgabe, der er in der Regel auch nachkam (siehe auch Pharao=Gott?).

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