Ramses II.

Um 1304 v. Chr. erblickte Ramses II. unter der Regentschaft von Pharao Haremhab das Licht der Welt. Sein Großvater, der ebenfalls Ramses hieß, hatte zu dieser Zeit schon eine steile militärische Karriere hinter sich. Er hielt als Wesir das höchste Amt des Staates inne und der Pharao ernannte ihn sogar zu seinem Nachfolger. Das war eine außergewöhnliche Karriere. Haremhab, der Oberbefehlshaber unter Tutanchamun gewesen war, hatte keine Kinder und so sollte sein Freund und Vertrauter Ramses nach ihm als König über Ägypten herrschen. Doch Ramses I. war nur eine kurze Regierungszeit beschert. Nach nur 16 Monaten auf dem Thron Ägyptens starb er und sein Sohn Sethos I. trat in die Fußstapfen seines Vaters. In seinem 7. Regierungsjahr ernannte Sethos I. den damals 16-jährigen Ramses zum Mitregenten. Von da an hatte er die Aufsicht über mehrere Bauvorhaben und Steinbrüche. Ramses musste sich sogar schon auf einem Kriegsschauplatz beweisen. Er zog mit dem ägyptischen Heer ins nubische Kalabsha, wo er ohne Probleme einen Aufstand niederschlug. Als Sethos starb, hinterließ er einen für die Regierung gut vorbereiteten Sohn und ein ägyptisches Großreich, das sich über Nubien bis Vorderasien erstreckte.

Ramses‘ Familie

Als Ramses mit etwa 25 Jahren, um ca. 1279 v. Chr., den Thron bestieg, war er mindestens schon seit 10 Jahren mit seinen beiden Hauptfrauen Nefertari und Isisnofret verheiratet. Er hatte damals schon eine Kinderschar von mindestens 10 Söhnen und 4 Töchtern – die Kinder von seinen Nebenfrauen nicht mitgerechnet – und es sollten noch viel mehr Sprösslinge folgen.

Die Kinder

Ramses ehrte seine Kinderschar, indem er sie auf Tempelwänden verewigte, wo sie in langen Prozessionen hintereinander abgebildet wurden. Selbst ein riesiges Grab ließ er für sie im Tal der Könige errichten (KV5), das 1995, nachdem es lange Zeit verschollen war, wiederentdeckt wurde.
Ramesseum, Theben-West
Neues Reich, 19. Dynastie

Pharao Ramses wurde im Laufe seiner langen Regierung Vater von mindestens 50 Söhnen und 38 Töchtern. Doch nur die Söhne seiner Hauptfrauen trugen den Titel „Leiblicher Sohn des Königs“ und waren für seine Nachfolge vorgesehen.

Viele von seinen Kindern überlebte Ramses locker. Erst sein 13. Sohn Merenptah, Sohn der Isisnofret, erbte seinen Thron. Und der war zum Antritt seiner Regierung auch schon über 55 Jahre. Über einen weiteren Sohn von Ramses erzählte man sich auch noch 1000 Jahre später viele Geschichten: Chaemwaset – Hohepriester des Ptah in Memphis. Er war ein sehr belesener und neugieriger Mann. Er wird heute auch schon mal als erster Archäologe der Geschichte gesehen. Er öffnete und untersuchte alte Gräber und setzte verfallene Baudenkmäler wieder in Stand. Doch auch Legenden ranken sich um den wissbegierigen Chaemwaset. Sie erzählen von seiner Suche nach der Schriftrolle des Thot und beschreiben seinen Weg in die Unterwelt, wo er mit eigenen Augen sehen wollte, wie die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.

Seine Frauen

Woher seine beiden Hauptfrauen Nefertari und Isisnofret kamen, wissen wir nicht. Vielleicht waren sie bürgerlicher Herkunft. Ramses‘ Lieblingsgemahlin war aber eindeutig Nefertari. Ihr widmete er eine Kultstätte neben seinem berühmten Tempel in Abu Simbel und schenkte ihr das schönste Grab im Tal der Königinnen (QV 66). Sie starb etwa in seinem 25. Regierungsjahr, kurz nach der Fertigstellung seines Tempels von Abu Simbel, der zur Hälfte auch seiner Frau Nefertari geweiht war.

Isisnofret lebte ungefähr bis zu Ramses‘ 34. Regierungsjahr, konnte aber nie die Gunst erreichen, die Nefertari bei ihrem Mann genossen hatte. Ramses heiratete, wie es damals üblich war, zudem noch drei seiner Töchter, die zu seinen Großen königlichen Gemahlinnen wurden: Bintanat, Tochter der Isisnofret, Meritamun und Nebettaui, Töchter der Nefertari. Auch die älteste Tochter seines hethitischen Verbündeten, die den ägyptischen Namen Maathorneferure annahm, machte er zu seiner Großen königlichen Gemahlin.

Ramses‘ Aussehen

Das idealisierte Gesicht von Ramses II. am Tempel von Abu Simbel
Neues Reich, 19. Dynastie

In seinem 4. Regierungsjahr beschloss Ramses, das Reich Amurru (im heutigen Syrien) zurückzuerobern, das seit 50 Jahren nicht mehr in Ägyptens Besitz war. Mit Hilfe seiner schlagkräftigen Armee gelang es ihm, Amurru in seine Gewalt zu bringen. Da das Land ein Vasallenstaat des Hethiterkönigs Muwatalli war, konnte dieser sich das natürlich nicht gefallen lassen. Er scharte eine Armee aus Aliierten und Vasallen um sich, von der Ramses später schrieb, dass sie so groß wie eine „Heuschreckenschar“ war. Ramses musste nun ebenfalls reagieren.

Im 5. Jahr seiner Regierung marschierte er mit der wahrscheinlich größten Armee, die Ägypten je gesehen hatte, Richtung Norden. Sie bestand aus 20 000 Mann zu je vier Divisionen. Sie trugen die Namen der ägyptischen Götter Amun, Re, Ptah und Seth. Den Soldaten folgte ein Trupp aus Ärzten, Dienern und Marketendern. Der riesige Tross kam nur sehr langsam voran.

Die Mumie von Ramses II.
Ägyptisches Museum Kairo

Auf Bildnissen war ein Pharao immer idealisiert dargestellt – so auch Ramses, der sich noch im hohen Alter als gutaussehender, kräftiger Jüngling in Stein meißeln ließ.

Bei der Mumie von Ramses sticht sofort die Hakennase ins Auge, die er von seinem Vater geerbt hatte. Die Verehrung seiner Familie für den rothaarigen Gott Seth könnte sich in den rot gefärbten Haaren widerspiegeln. Wahrscheinlich hatte Ramses‘ aber auch schon in seiner Jugend einen roten Schopf. Ramses war 1,72m groß und von schlanker Gestalt.

Der Anblick von der Mumie Ramses II., der majestätisch und vielleicht auch ein wenig arrogant auf den Betrachter niederzuschauen scheint, fasziniert auch heute noch.

Die Schlacht von Kadesch

Ramses auf seinem Streitwagen „Sieg in Theben“ mit gespannten Bogen. Unter und vor ihm ein wirrer Haufen von gefallenen und im Orontes ertrunkenen Hethitern.
Tempel von Luxor
Neues Reich, 19. Dynastie

Zwischen Ägyptern und den Hethitern (das Hethiterreich lag ungefähr in Teilen der Türkei, Syrien und des Iraks) kriselte es schon lange vor Ramses‘ Zeiten. Schon als sein Vater Sethos regierte, kam es zu einigen Zwischenfällen. Der Höhepunkt der Feindseligkeiten zwischen den beiden Großmächten war aber die Schlacht bei Kadesch (ungefähr in der Mitte zwischen den beiden syrischen Städten Damaskus und Aleppo).

Ramses provoziert die Hethiter

In seinem 4. Regierungsjahr beschloss Ramses, das Reich Amurru (im heutigen Syrien) zurückzuerobern, das seit 50 Jahren nicht mehr in Ägyptens Besitz war. Mit Hilfe seiner schlagkräftigen Armee gelang es ihm, Amurru in seine Gewalt zu bringen. Da das Land ein Vasallenstaat des Hethiterkönigs Muwatalli war, konnte dieser sich das natürlich nicht gefallen lassen. Er scharte eine Armee aus Aliierten und Vasallen um sich, von der Ramses später schrieb, dass sie so groß wie eine „Heuschreckenschar“ war. Ramses musste nun ebenfalls reagieren.

Im 5. Jahr seiner Regierung marschierte er mit der wahrscheinlich größten Armee, die Ägypten je gesehen hatte, Richtung Norden. Sie bestand aus 20 000 Mann zu je vier Divisionen. Sie trugen die Namen der ägyptischen Götter Amun, Re, Ptah und Seth. Den Soldaten folgte ein Trupp aus Ärzten, Dienern und Marketendern. Der riesige Tross kam nur sehr langsam voran.

Ein taktischer Fehler

Ramses machte bei der Führung seines Heeres einen schwerwiegenden Fehler, der einem Feldherrn eigentlich nicht passieren sollte. Die vier Divisionen marschierten mit einem Abstand von jeweils 10 km. Viel zu weit voneinander entfernt, um bei einem Angriff auf Unterstützung einer anderen Divisionen zu hoffen. Dies sollte sich bitter rächen. Ramses schritt mit seiner Amun-Division voran und kurz, nachdem sie den Fluss Orontes überquert hatten, trafen sie auf zwei Beduinen. Sie versprachen, mit ihren Stämmen zu Ramses überzulaufen, wenn er sie nur von den verhassten Hethitern befreien würde. Sie gaben als Standort von Muwatallis Armee die Stadt Aleppo an. Doch die beiden Beduinen waren von Muwatalli geschickt worden, um Ramses eine Falle zu stellen. Und der Pharao erkannte diese List nicht. In dem Glauben, die Streitkräfte der Hethiter lägen noch viel weiter nördlich, wartete er nicht auf seine anderen drei Divisionen sondern marschierte weiter voran. Erst nordwestlich von Kadesch schlug er sein Lager auf, um auf den Rest seiner Armee zu warten.

Während sie lagerten, griffen sie zwei Spione der Hethiter auf, die unter Folter gestanden, dass Muwatalli mit seiner Streitmacht ganz in der Nähe, östlich der Stadt Kadesch lauerte. Anstatt über seine eigene Gutgläubigkeit, ereiferte sich Ramses über die Inkompetenz seiner Kundschafter, die nicht in der Lage gewesen waren, eine riesige hethitische Armee zu entdecken. Aber nun galt es erst mal, zu retten, was noch zu retten war. Die nachfolgende Re-Division gab er offensichtlich schon verloren, denn es wurde der Wesir losgeschickt, um die Ptah-Division zu warnen. Währenddessen überquerte das Re-Bataillon gerade den Orontes. Als das Heer der Hethiter auf sie zupreschte, waren sie völlig überrascht und nicht kampfbereit. Die Division des Re wurde aufgerieben und die Soldaten flüchteten in alle Richtungen. Muwatalli stürmte nun auf Ramses‘ Heeresteil zu. Die Situation schien aussichtlos. Ramses, seine Leibgarde und seine 5000 Mann Armee waren umzingelt, das Re-Bataillon zersprengt und die Ptah- und Seth-Divisionen viel zu weit entfernt.

Ramses – der Held von Kadesch

Der Pharao erzählt uns in seinem Bericht über die Schlacht von Kadesch, dass seine Soldaten ihn im Stich ließen und er alleine gegen die Hethiter kämpfte. Natürlich mögen einige Soldaten aufgrund der Übermacht geflohen sein, aber auch wenn er so stark und furchtlos „wie Seth“ war, wäre er alleine wohl kaum gegen eine hethitische Streitmacht von mindestens 2500 Streitwagen angekommen. Und daher wird nicht nur der Pharao selbst sondern auch seine Soldaten verbissen gegen die Hethiter gekämpft haben. Die Situation schien aussichtlos. Doch schließlich erhörte Amun die Stoßgebete Ramses‘. Vom Westen her erreichte die militärische Eingreiftruppe, die abseits der 4 Divisionen über die palästinische Küstenstraße marschiert war, das Schlachtfeld. Zwar konnten sie den Ausgang der Schlacht nicht mehr abwenden, aber immerhin konnten sie das Überraschungsmoment nutzen und Ramses aus seiner misslichen Lage befreien. Muwatalli zog sich vorerst zurück. Zeit für Ramses, seine Divisionen bzw. was von ihnen übriggeblieben war, einzusammeln. Angeblich soll Muwatalli ihm am nächsten Tag ein Friedensangebot gemacht haben. Angesichts der Übermacht der Hethiter hat Ramses aber wohl eher den geordneten Rückzug angeordnet. Das Land Amurru, das durch die Eroberung Ramses‘ die Schlacht bei Kadesch erst herausgefordert hatte, fiel jedenfalls wieder zurück an die Hethiter.

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„Alles was ich tat gelang, denn ich war Month. Ich schoss zu meiner Rechten und erbeutete mit meiner Linken. Ich war wie Seth in seiner Stunde des Erscheinens vor ihnen, und ich fand, dass 2500 Streitwagen, in deren Mitte ich war, vor meinem Gespann zu einem Leichenhaufen wurden.“

nach Michael Höveler-Müller. Am Anfang war Ägypten, S. 240

Durch Ramses‘ schlechte Kriegsführung hätte er also fast gegen die Hethiter verloren. Bestenfalls konnte man daraus ein Unentschieden machen, da Muwatalli seine Überlegenheit nicht genutzt hatte. Das passte nun aber gar nicht in das Bild eines großen, von den Göttern auserwählten Königs und so drehte er den Spieß einfach um und pries sich in der Heimat auf zahlreichen Tempelwänden als großer Held, der nur mit Hilfe von Amun ganz alleine das hethitische Heer besiegt hatte. Sein Streitwagen „Sieg-in-Theben“ überrollte die Hethiter, bis sie zu „Leichenhaufen“ vor seinen Pferden wurden. Der König durchbohrte sie mit seinen Pfeilen, bis sie allesamt vor ihm in „ihrem Blut“ lagen und sie ertranken zu Massen im Orontes. All diese heroischen Bilder ließ Ramses in Stein verewigen. Begleitet wurden sie von nicht minder heroischen Texten (siehe rechts).
Die Inkompetenz und Hilflosigkeit seiner Heerführer und hohen Offizieren hingegen, stellte er öffentlich an den Pranger. Das Militär verlor dadurch stark an Einfluss und Macht.

Der erste Friedensvertrag der Weltgeschichte

Nach der Schlacht von Kadesch witterten die tributpflichtigen südsyrischen Städte ihre Chance. Der Pharao hatte die Schlacht verloren – ein schwacher Herrscher regierte Ägypten. So glaubten sie zumindest und stellten ihre Tributzahlungen ein. Doch sie täuschten sich in Ramses, der in seinem 7. oder 8. Regierungsjahr gegen sie zu Felde zog. Nun zeigte der Pharao seine wahre Stärke.

Ramses und sein Sohn, Kronprinz Amunherchepeschef, konnten die Gebiete zurückerobern und ihr Territorium sogar noch erweitern. Der König drang erneut bis nach Dapur in Amurru vor. Die Lage der Stadt ist unbekannt, sie muss aber viel weiter nördlich als Kadesch gelegen haben. Die Hethiter schauten stillschweigend zu, denn sie hatten zu der Zeit ganz andere Probleme. König Muwatalli war gestorben und es entbrannte ein Machtkampf zwischen seinem Nachfolger, dem Bastardsohn Mursilis und seinem Onkel Hattuschili. Um das 18. Regierungsjahr von Ramses schaffte es Hattuschili an die Macht und verbannte seinen Neffen Mursilis. Dieser konnte jedoch aus seinem Exil fliehen und fand am Hof von König Ramses Zuflucht. Hattuschili forderte die Auslieferung, doch Ramses weigerte sich.

Den König der Hethiter plagten bald große Sorgen. Unter seinem Volk machten sich wegen Mursilis Absetzung Unruhen breit. Zudem hielten sich hartnäckig die Gerüchte, dass die expansionsfreudigen Assyrer bald in sein Land einfallen würden. Und nun könnte ihm auch noch sein Neffe mit einer mächtigen ägyptischen Armee im Nacken gefährlich werden. Zu viel für Hattuschili. Er musste sich mit Ägypten verbünden.

Inhalte des Friedensvertrages zwischen Ramses und Hattuschili

Im 21. Jahr seiner Regierung willigte Ramses ein, mit den Hethitern Frieden zu schließen. Beide Völker unterzeichneten einen Friedensvertrag. Dieser beinhaltete einen Nicht-Angriffspakt und versicherte beiden Ländern gegenseitige militärische Unterstützung sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Politische Gefangene sollten frei gelassen werden. Hattuschili übertrug Ramses in dem Vertrag sogar die Aufgabe, nach seinem Tod dafür zu sorgen, dass sein Sohn den Thron bestieg.

„So bin ich als großer Fürst des Hethiterlandes mit Ramses von Amun geliebt, dem großen Herrscher von Ägypten, in einem guten Frieden und im guten, brüderlichen Verhältnis. Die Kindeskinder der großen Fürsten des Hethiterlandes sollen in Brüderlichkeit und Frieden sein mit den Kindeskindern von Ramses von Amun geliebt, dem großen Herrscher von Ägypten,… und keine Feindseligkeiten dürfen zwischen ihnen entstehen, ewiglich nicht.“

Auszug aus dem Friedensvertragnach Hermann A. Schlögl, Das alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis Kleopatra, S.285

Der Originalvertrag, der ursprünglich auf Silbertafeln verfasst war, existiert nicht mehr. Aber Ramses schrieb ihn auf einer Wand im Tempel von Karnak und in den Ruinen der einstigen Hauptstadt der Hethiter kamen zwei Tontafeln mit dem Friedensvertrag in babylonischer Keilschrift zum Vorschein.

Sticheleien zwischen Ägyptern und Hethitern

Obwohl Hattuschili und Ramses in ihren nachfolgenden Korrespondenzen mit der Anrede „Bruder“ ihre Freundschaft betonten, gab es doch so einige Misstöne. Ein Thema blieb die Auslieferung des abgesetzten Königs Mursilis. Und nach mehreren Anfragen Hattuschilis antwortete Ramses nur noch genervt:“über den du mir diese vielen, vielen Worte hast geschrieben, die nicht wert sind, sie zu hören.“1 Hattuschili wiederum beschwerte sich über Ramses manchmal herablassende Art. Der Pharao beschwichtigte: „…Und warum sollte ich dir schreiben wie einem Diener, ausgerechnet ich?“2 Andererseits antwortete Hattuschili nach Ramses‘ Einladung in das Land am Nil zu kommen, auch nicht gerade höflich:“Mein Bruder möge mir schreiben, was wir dort in Ägypten eigentlich machen sollen!“3 Woraufhin Ramses empört zurückschrieb: „Was hat mein Bruder da bloß gesagt!“4 Wegen seiner herablassenden Art, befürchtete Hattuschili vielleicht, Ramses würde ihn nicht wie einen gleichberechtigten Herrscher sondern eher wie einen Vasallenkönig behandeln. Und so schob der Hethiterkönig seine „brennenden Füße“ als Begründung vor, nicht nach Ägypten zu reisen.

Geschenke erhalten die Freundschaft

Doch im Großen und Ganzen war es ein sehr freundschaftlicher Austausch, der oftmals mit wertvollen Geschenken begleitet war. Besonders begehrt bei den Hethitern waren die für ihre Heilkunst berühmten ägyptischen Ärzte. Aber bei Hattuschilis Bitte, einen Heiler für seine 60-jährige Schwester zu schicken, damit sie noch ein Kind bekäme, musste auch Ramses passen: „(…) Und siehe, eine Frau, die 50 Jahre alt ist, sollte sie sein? Nein, eine die sechzig Jahre alt ist, ist sie! Man kann für sie keine Arznei bereiten, um sie noch gebären zu lassen!“5 (im nächsten Brief verspricht er aber dann doch, einen Magier und einen fähigen Arzt zu schicken)

Das Heiratsangebot einer anderen 60-jährigen Schwester lehnte Ramses dankend ab, aber die junge Tochter Hattuschilis nahm er gerne zur Frau. Und so reiste im 34. Regierungsjahr Ramses II. die älteste Tochter Hattuschilis mit einer riesigen Mitgift aus Gold, Silber, Bronze, Diener, Pferdegespannen und einer großen Menge an Vieh nach Ägypten. Schauschka-Nu wurde zur Großen königlichen Gemahlin Maathorneferure. Ungefähr 10 Jahre später folgte eine weitere hethitische Prinzessin.

Der Frieden zwischen den beiden Ländern hielt auch nach dem Tod der Könige an. Als eine große Hungersnot das Hethiterreich schwächte, schickte Ramses‘ Nachfolger Merenptah Getreide zu seinen Verbündeten. Doch wenige Jahrzehnte später hielt sich Ägypten nicht mehr an den Vertrag und schickte dem Hethiterreich keine militärische Hilfe. Seevölker zerstörten die einstige Großmacht.

Ramses der große Baumogul

„Mein Name ist Ozymandias, König der Könige!
Seht auf meine Werke, ihr Mächtigen, und verzweifelt!“
Berühmte Zeile aus einem Gedicht von Percy Bysshe Shelley aus dem Jahr 1817, Ozymandias ist die griechische Form von Ramses‘ Thronnamen User-Maat-Re.
Die Reste der monumentalen Statue (ursprünglich um die 18m groß), die Shelley zu seinem Gedicht inspiriert hat, liegen heute noch im Ramesseum, in Theben-West

Kaum ein Fleck im Land Ägypten, wo uns auf Baudenkmälern nicht der Name Ramses mit seinem Thronnamen User-Maat-Re („Stark ist die Gerechtigkeit des Re“) über den Weg läuft. Viele existieren heute nicht mehr, einige wurden von Ramses usurpiert, d.h. er schrieb seinen Namen einfach über die Namen von längst verstorbenen Pharaonen – keine unübliche Sitte im alten Ägypten. Neben den unten genannten, sind seine berühmtesten Bauleistungen die Erweiterungen der Tempel von Luxor und Karnak und sein Totentempel, das Ramesseum in Theben West.

Die neue Hauptstadt – Pi-Ramesses

Von seinem Vater Sethos‘ I. bereits angefangen, vollendete Ramses die neue Hauptstadt im östlichen Nildelta, wo sich heute die Stadt Qantir befindet. Er vollendete sie in seinem 19. Regierungsjahr und nannte sie Pi-Ramesses (Haus des Ramses).

Ungefähr 30 Quadratkilometer war die Stadt groß (etwa die Größe von Hildesheim), wovon Ramses‘ Palast „Groß an Siegen“ schon alleine 15 Quadratkilometer belegte. Vier überlebensgroße Statuen des Herrschers bewachten seinen Eingang. Mehrere Tempel fanden sich in der Stadt, einer von ihnen hatte alleine eine Größe von 41 000 Quadratmetern. Die Götter Amun, Seth, Astarte und Uto wurden hier verehrt. Im westlichen Teil von Pi-Ramesses standen die Villen der reichen Leute. Eine Villa nach der anderen reihte sich sorgfältig an gerade verlaufenden Straßen, die sich im rechten Winkel trafen. Anders sah es im östlichen Teil von Pi-Ramesses aus. Hier herrschte ein wildes Durcheinander an Straßen und Häusern, in denen Handwerksbetriebe angesiedelt waren und das gemeine Volk wohnte. Schätzungen zufolge lebten ca. 100 000 Menschen in der Stadt.

Der Standort der neuen Hauptstadt war strategisch klug gewählt. Pi-Ramesses lag an einem Nilarm und in der Nähe des Mittelmeeres. Ramses konnte seine Truppen von mindestens zwei Häfen aus schnell per Schiff nach Norden bringen und wegen der östlichen Lage der Stadt war der Weg nach Vorderasien viel kürzer als von den alten Hauptstädten Ägyptens.

Der Tempel von Abu Simbel

Totalansicht des Tempels von Abu Simbel mit dem angrenzenden kleinen Tempel der Nefertari
Neues Reich, 19. Dynastie

Eines der berühmtesten Baudenkmäler in Ägypten (neben den Pyramiden von Gizeh) ist der Tempel von Abu Simbel (280km südlich von Assuan), der im 23. oder 24. Regierungsjahr von Ramses eingeweiht wurde. Ungefähr 20 Jahre lang hauten Steinmetze einen 30m hohen und 35m breiten Tempel mit 22m hohen Ramses-Statuen aus dem harten Felsen. Über ihm sitzen mehrere steinerne Paviane, die ihre Arme zum Gruß an den aufgehenden Sonnengott aufgerichtet haben. 60m tief schlugen sie einen Gang, der mit zehn 4m hohen Osiris-Statuen gesäumt ist. Der Gang endet in einem Schrein, in dem die Götter Ptah, Amun und Re-Harachte thronen. Und neben Amun sitzt Ramses, der sich somit selbst als Gott verherrlicht hat. Zweimal im Jahr (am 20. Februar und 20. Oktober) drangen die Strahlen der aufgehenden Sonne in das Allerheiligste und erleuchteten die Abbilder des Sonnengottes Re-Harachte, des Reichsgottes Amun und natürlich die Statue Ramses des Großen. Nur Ptah, der mit dem Totenreich verbunden war, saß im Halbdunkeln.

Rechts neben Ramses‘ Tempel ließ er einen zweiten, mit 12m Höhe und 28m Breite etwas kleineren, dafür genauso schönen Tempel für seine Lieblingsgemahlin Nefertari bauen. An der Fassade sieht man abwechselnd Nefertari und Ramses stehen. Dass die Königin dabei in gleicher Größe wie der Pharao abgebildet wurde, war für die Zeit absolut unüblich und zeigt, wie sehr Ramses seine Hauptfrau geliebt haben muss. Neben ihnen stehen die kleineren Statuen ihrer Söhne und Töchter. In der Antike strahlte das Heiligtum noch in den schönsten Farben. Doch Wind und Sand ließen zumindest an der Außenfassade nichts mehr von der Farbe übrig.

Das Ende von „Ramses der Große“

Um 1213 v. Chr., nach 66 Jahren Regierung und im für damalige Verhältnisse biblischen Alter von 91 Jahren, starb Ramses II. Vor seinem Tod plagten ihn Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung) und Spondylitis (Entzündung der Wirbelkörper) und krümmten seinen Rücken. Er muss große Schmerzen gehabt haben und konnte nur noch auf einen Stab gestützt gehen. Zudem war sein Gebiss in seinem sehr schlechten Zustand. Er hatte Zahnwurzelentzündungen und seine Zähne waren voller Löcher. Sein Grab (KV 7) plünderten Grabräuber wahrscheinlich schon in der Antike und es ist außerdem durch Wasserschäden stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Etwa 150 Jahre später bettete man Ramses aus bisher ungeklärten Gründen in das Grab seines Vaters Sethos I um. Doch auch dort blieb er nur kurze Zeit. Man versteckte die Mumie schließlich zusammen mit vielen weiteren königlichen Mumien in einem Grab in Deir el-Bahari, wo man sie 1881entdeckte.

Nach Ramses‘ Tod kam sein 13. Sohn Merenptah, mit 51 Jahren für damalige Verhältnisse ebenfalls schon hochbetagt, auf den Thron Ägyptens.

Die Epoche Ramses des Großen war die letzte Glanzzeit Ägyptens.

1, 2Zitiert nach E. Edel, Die ägyptisch-hethitische Korrespondenz I, S. 63, aus: Michael Höveler-Müller: Am Anfang war Ägypten, S. 243-244
3, 4Zitiert nach Hermann A. Schlögl, Ramses II., S. 89
4 Zitiert nach Hermann A. Schlögl, Ramses II., S. 93