Tutanchamun

Anfang

Der Kindkönig

Nach dem Tode Echnatons (und der 3-jährigen Regentschaft eines mysteriösen Semenchkares) bestieg im Jahr 1333 v. Chr. ein gerade mal 8-jähriger Junge den Thron Ägyptens. Tutanchamun, der zu dieser Zeit noch Tutanchaton hieß, wurde in einer sehr unruhigen Zeit geboren.

Pharao Echnaton war ein radikaler Anhänger seiner eigenen Religion. Er zerstörte die Bildnisse der alten Götter und erhob die Sonnenscheibe Aton zum alleinigen Gott. Echnaton vertiefte sich so sehr in seine Religion, dass alles Andere für ihn nebensächlich wurde. Das Reich zerfiel.

Noch dazu hatte Echnaton die Außenpolitik völlig vernachlässigt. Vor allem in Vorderasien bröckelte der ägyptische Einfluss immer mehr, und immer weniger Tribute gelangten in die ägyptische Staatskasse. Die Bitten der benachbarten Länder um militärische Hilfe blieben unerhört und Ägypten musste sogar befürchten, von Feinden angegriffen zu werden. Es war ein schwieriges Erbe, das Tutanchaton antreten musste.


Abbildung von Tutanchamun in seiner Grabkammer Faksimile von Tutanchamuns Grab

Abbildung von Tutanchamun in seiner Grabkammer
Faksimile von Tutanchamuns Grab

Zurück zu den alten Göttern

Nach Echnatons Tod kehrten die Ägypter mit Erleichterung wieder zu ihrer ägyptischen Göttervielfalt zurück. Tutanchaton und seine Berater entschieden sich dafür, den Umbruch nach über 10-jähriger Aton-Vorherrschaft nicht auf den Tag genau mit seiner Krönung durchzuführen. Doch nach und nach wurden alle Tempel des Landes wieder geöffnet und die Priester konnten zu ihrem alltäglichen Geschäft zurückkehren.

Die Bürger holten die Götterstatuetten aus ihren Verstecken und stellten sie wieder in ihren Hausschrein. Sie durften nun wieder offiziell zu Amun, Isis, Osiris und all den anderen Göttern beten, was sie inoffiziell auch schon hinter Echnatons Rücken getan hatten.


Der Eigenname Tutanchamuns („lebendes Abbild des Amun“)

Der Thronname Tutanchamuns:
neb-cheperu-Re („Herr der Gestalten, ein Re“)

Zurück in die alte Hauptstadt

Der Stadt des „Ketzers“ Echnaton kehrte man in Tutanchamuns 2. Regierungsjahr den Rücken zu. Achetaton („Horizont des Aton“) war unter Echnaton innerhalb von nur drei Jahren aus dem Boden einer öden Wüstenlandschaft Mittelägyptens gestampft worden und die Hochburg des Aton-Glaubens geworden. Mit der Rückführung der alten Götter war sie dem Untergang geweiht und die Einwohner Achetatons verließen zusammen mit dem König diesen unglückseligen Ort. Memphis wurde neuer Dreh- und Angelpunkt des Reiches und Theben wieder die alte, religiöse Hauptstadt Ägyptens.

Denn da seine Majestät als König erschien, da waren die Tempel der Götter und Göttinnen von Elephantine bis zu den Lagunen des Delta im Begriff, vergessen zu werden, und ihre heiligen Stätten im Zustande des Untergangs, zu Schutthügeln geworden, die mit Unkraut bewachsen sind. Ihre Gotteshäuser waren wie etwas, das es nicht gibt, und ihre Tempel waren ein Fußweg. Das Land machte eine Krankheit durch, die Götter, sie kümmerten sich nicht um dieses Land…
Textauszug der Restaurationsstele
nach Hermann A. Schlögl: Das alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra, S. 243

In der neuen Hauptstadt angekommen, musste Tutanchaton nun ein Zeichen seines neuen-alten Glaubens setzen. Und so änderte er seinen Namen von Tutanchaton in Tutanchamun („Lebendiges Abbild des Amun“) und ließ im Tempel von Karnak eine Stele aufstellen, auf der er sich vor aller Welt vom Werk seines Vorgängers distanzierte (siehe Zitat oben).

Natürlich wird all dies kaum einem 8-jährigen Jungen eingefallen sein. Eje, der auch schon unter Echnaton ein hochrangiger Beamter war, und der General Haremhab zogen hinter den Kulissen die Fäden. Und offenbar hatten sie so viel Freude an den Regierungsgeschäften, dass sie sich nach Tuts plötzlichem Tod dann selbst auf den Thron Ägyptens setzten – aber dazu später mehr.