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Ramses'
Aussehen
Auf Bildnissen wurde der Pharao
natürlich immer
idealisiert dargestellt - wie Ramses, der sich auch noch im hohen Alter als
gutaussehender, kräftiger Jüngling darstellen ließ.
Bei der Mumie von Ramses sticht sofort die Hakennase ins Auge, die er wahrscheinlich von
seinem Vater geerbt hatte. Die Verehrung seiner Familie für den rothaarigen Gott Seth
könnte sich in den rot gefärbten Haaren wiederspiegeln. Wahrscheinlich hatte Ramses'
aber auch schon in seiner Jugend einen roten Schopf.
Irgendwie fasziniert uns auch heute noch der Anblick Ramses II., der majestätisch und
vielleicht auch ein wenig arrogant auf einem Niederzuschauen scheint.

Die Schlacht von Kadesch
Zwischen Ägyptern und Hethitern (das Hethiterreich lag ungefähr in
Teilen der Türkei, Syrien und des Irak) kriselte es schon lange vor Ramses' Zeiten. Schon
zur Regierungszeit Sethos I. kam es zu einigen Zwischenfällen. Der Höhepunkt zwischen
den Feindseligkeiten der beiden Großmächte war aber die Schlacht bei Kadesch (ungefähr
in der Mitte der beiden syrischen Städte Damaskus und Aleppo).
Im 5. Jahr von Ramses' Regierung beschloss er gegen den Hethiterkönig Muwatalli und
seinen Alliierten in den Kampf zu ziehen. Dazu stellte er die wahrscheinlich größte
Armee auf die Ägypten je gesehen hatte. Sie bestand aus 20 000 Mann zu je 4 Divisionen,
die die Namen der ägyptischen Götter Amun, Re, Ptah und Seth trugen. Zu dem Heer
gehörten außerdem noch ein riesiger Trupp aus Ärzten, Dienern und Marketendern, die
alle durch Syrien den Orontes entlang bis nach Kadesch marschierten, wo man das
hethitische Heer vermutete. Wahrscheinlich machte sich auch noch eine zweite, viel
kleinere Armee auf Schiffen auf dem Weg, um nördlich von Byblos zu landen und von dort
aus ebenfalls nach Kadesch zu marschieren. Die Festung sollte also von beiden Seiten
eingekesselt werden. Siegessicher wie Ramses war machte er aber schwerwiegende Fehler. Die
4 Divisionen marschierten mit einem Abstand von jeweils 10 km zum nächsten Trupp. Viel zu
weit voneinander entfernt, um bei einem Angriff auf Unterstützung von einer anderen
Division zu hoffen. Etwa 15 km vor Kadesch griffen ägyptische Soldaten zwei Beduinen auf,
die berichteten, dass sich das hethitische Heer noch weit vor Kadesch befand. Deswegen
beschloss Ramses bei der Überquerung des Orontes nicht darauf zu warten, bis das gesamte
Heer den Fluss überquerte, sondern machte sich mit seiner Amun-Division alleine bis kurz
vor Kadesch auf, wo er sein Lager aufschlug.
Entsetzen machte sich breit als ein Vorposten zwei hethitische Spione abfingen, die unter
Folter gestanden, dass die beiden Beduinen ebenfalls hethitische Spione waren und sich das
Heer in Wahrheit kurz hinter Kadesch aufhielt. Und schon kurze Zeit später preschte eine
2500 Streitwagen und 37 000 Soldaten auf die 2. Division des ägyptischen Heeres und
klaffte so eine 20 km große Lücke zwischen der 1., 3. und 4. Division, die auch zu allem
Unglück immer noch auf der östlichen Seite des Orontes warteten.
Dann stürmten die Hethiter auf das Lager von Ramses und so stand eine einzelne
ägyptische Division von 5000 Mann dem gesamten hethitischen Heer gegenüber.
Ramses und seine Garde kämpften verbissen gegen die Großmacht der Hethiter, die
inzwischen fast das gesamte Lager erobert hatten, bis das Wunder geschah: just in dem
Moment, als die Lage völlig aussichtslos erschien, erreichte das Heer, das über den
Seeweg Kadesch erreichen sollte das Lager und griff das völlig überraschte Heer der
Hethiter an, dass sich längst in Sicherheit gewiegt hatte und damit begann das Lager
auszuplündern. Völlig überrumpelt zogen sie sich in Richtung Kadesch zurück und man
einigte sich letztendlich auf ein unentschieden. Am nächsten Tag zog Ramses und die Reste
seiner Armee im Eiltempo zu den beiden letzten Divisionen und marschierte sofort wieder
nach Ägypten.
Durch Ramses' schlechte Kriegsführung hätte er also fast gegen die Hethiter verloren.
Das passte nun aber gar nicht in das Bild eines großen, von den Göttern auserwählten
Königs und so drehte er den Spieß einfach um und pries sich auf den Tempelwänden von
Karnak, Luxor, Abydos, Abu Simbel und Derr als großer Held, der mit Hilfe von Amun
alleine das hethitische Heer besiegt hatte. Streitwagen überrollen die Hethiter, der
heroische König zertrampelt seine Feinde und Söldner schlagen den Hethitern die rechte
Hand ab um die Gefallenen zu zählen, wie es damals üblich war. Eine Szene im Ramesseum
zeigt sogar wie der flüchtende Prinz von Aleppo in den Orontes stürzt und von seinen
Leuten rausgezogen und kopfüber an einem Baum gehängt wird um ihn wiederzubeleben.
Später wurden die heroischen Schriften als Übungstexte für Schüler verwendet. Nur
einem neutralen Schlachtbericht der Hethiter haben wir zu verdanken, dass wir den genauen
Verlauf und Ausgang der Schlacht von Kadesch rekonstruieren können.

Der erste
Friedensvertrag der Weltgeschichte
Nach der Schlacht von Kadesch versuchte Ramses noch Jahre später gegen
die Hethiter zu Felde zu ziehen und die syrischen Stützpunkte im Norden zu halten. Die
Hethiter wiederum machten Unruhen bei den Assyrern und im eigenen Land zu schaffen und so
beschloss der neue Hethiterkönig Hattusili III. mit den Ägyptern Frieden zu schließen.
Ramses willigte ein und im 21. Jahr seiner Regierung unterzeichneten beide Völker einen
Friedensvertrag, der einen Nichtangriffspakt und gegenseitige Hilfe beinhaltete.
Ursprünglich war der Friedensvertrag auf Silbertafeln ausgeschrieben und ist in
babylonischer und ägyptischer Abschrift vorhanden.
Nach Abschluss des Vertrages tauschte man sich gegenseitig Geschenke aus. Die Hethiter
verlangten besonders häufig ägyptische Ärzte, deren Ruf wegen ihrer Heilkunst bis über
die ägyptischen Grenzen hinaus schallte. 1246 v.Chr. schlug Hattusili III. die
Heirat Ramses' mit einer seiner Töchtern vor, um das Bündnis zwischen den beiden
Ländern noch zu vertiefen. Zwei weitere folgten.
Um 1190 v.Chr. wurde das Hethiterreich durch Seevölker zerstört.

Ramses der große Baumogul
Ramses II. überzog während seiner 66-jährigen Regierung das ganze
Land mit Baudenkmälern. Um seine Macht zu vergrößern schreckte er sogar auch nicht
davor zurück, Namen früherer Könige auszumeißeln und durch seinen eigenen Thronnamen
"User-maat-re" (Machtvoll ist die Gerechtigkeit des Re) zu ersetzen, was aber
auch bei früheren Pharaonen durchaus nicht unüblich gewesen ist.
Die neue Hauptstadt -
Pi-Ramesses
Von Sethos' I. bereits angefangen, vollendete Ramses die neue
Hauptstadt im östlichen Delta, nahe der heutigen Stadt Qantir und er nannte sie
Pi-Ramesses (Haus des Rames). 30 Quadratkilometer war die Stadt angeblich groß, wovon
Ramses' Palast schon alleine 15 Quadratkilometer belegte. Seit 1998 grub der Hildesheimer
Archäologe Pusch in Qantir und holte erstaunliches zur Tage. Ein türkisfarbener Boden,
belegt mit Goldstaub, der wahrscheinlich zum Palast gehörte. Bei jedem Tritt vom Ramses
musste als Goldstaub in die Luft gewirbelt sein. Wenn man den alten Dokumenten glaubt, war
die ganze Stadt türkisfarben und auf ihren Straßen glänzte das Gold. Die Stadt muss
also einen wunderschönen Anblick gegeben haben. Ein antiker Text spricht auch von
"... schönen Fenstern und leuchtenden Gemächern aus Lapislazuli und Malachit,
...". Hofschreiber schwärmten über die Ramsesstadt: "Die Sonne erhebt
sich innerhalb ihres Horizontes, und in demselben beendet sie auch ihre tägliche
Reise".
Von dem Palast aus standen in allen vier Himmelsrichtungen die Tempel der Reichsgötter
Amun, Re, Ptah und natürlich Seth, der Namenspatron für Ramses' Vater Sethos war. Vor
dem Palast standen vier 21 m hohe Statuen von Ramses, die größten freistehenden Statuen
Ägyptens. Über sie konnten die Bürger von Pi-Ramesses ihre Gebete zu den Göttern
richten. Vor den Tempeln und dem Palast wurden Festplätze angelegt, die mit einem Wald
von Obelisken versehen waren.
Von Pi-Ramesses aus konnte das Heer sehr schnell nach Palästina und Syrien ziehen um
Aufstände niederzuschlagen. Deswegen waren in der Stadt auch etliche Waffenschmieden,
Pferdeställe und Kasernen anzufinden. Für die schnelle Beförderung von Soldaten und
für den Import wichtiger Materialien hatte Pi-Ramesses auch mindestens zwei Häfen.
Von der einstigen Pracht ist heute nicht mehr viel zu sehen. Über den güldenen Fußboden
pappte Sethos II. eine Glasfabrik und Ramses III. sogar die Pferdeställe der
Streitwagenarmee. Ab der 21. Dynastie wurde fast die gesamte Stadt abgebaut und die Steine
in der neuen Hauptstadt Tanis weiterverwendet, wo man auch heute noch Steinfragmente mit
Ramses' Namen finden kann.
Der Tempel von Abu Simbel
Eines der berühmtesten
Baudenkmäler von Ägypten ist neben den Pyramiden der Tempel von Abu Simbel. 13 Jahre
(ca. 1269 - 1256 v.Chr.) lang hauten Steinmetze einen 30 m hohen und 35 m breiten Tempel
mit 20 m hohe Statuen von Ramses aus dem harten Felsen. 60 m tief schlugen sie einen Gang,
der mit zehn 4 m hohen Osiris-Statuen gesäumt ist. Enden tut der Gang in einem Schrein,
in dem man die Götter Ptah, Amun und Re-Harachte thronend sehen kann. Und neben Amun
sitzt Ramses, der sich somit selbst als Gott verherrlicht hat. Zweimal im Jahr (am 20.
Februar und 20 Oktober) dringen die Strahlen der aufgehenden Sonne in das Allerheiligste
und erleuchten das Abbilds des höchsten Gottes Amun - und natürlich die Statue Ramses
des Großen.
Rechts neben Ramses' Tempel ließ er einen zweiten, mit 12 m Höhe und 28 m Breite etwas
kleineren dafür genauso schönen Tempel für seine Lieblingsgemahlin Nefertari bauen. Auf
den Statuen an der Fassade trägt sie das Kuhgehörn der Göttin Hathor. Die große
königliche Gemahlin Nefertari verkörpert also die Göttin der Liebe, Frau des Königs
und Mutter der Königskinder. An der Fassade sieht man abwechselnd Nefertari und Ramses
stehen. Neben Nefertari stehen kleine Prinzessinnen, neben Ramses kleine Statuen von
Prinzen.
In antiker Zeit waren die beiden Tempel mit höchster Wahrscheinlichkeit noch bemalt aber
warum setzte Ramses einen so prächtigen Tempel an so einem öden Ort wie Abu Simbel nahe
der nubischen Grenze? Ganz einfach: durch die Größe und Macht die das Bauwerk ausstrahlt
sollte es die Nubier abschrecken und die Größe des ägyptischen Pharaos sehen lassen.
Wiederentdeckt wurde der Tempel von Abu Simbel erst am 22.03.1813 durch den Schweizer Jean
Louis Burckhardt. Nachdem man Massen von Sand wegschaufeln ließ, die den Tempel über die
Jahrhunderte bedeckte, wurde er am 01.08.1817 von Giovanni Belzoni erstmals wieder
betreten.
Durch den Bau des Staudamms von Assuan drohte der Tempel im Nasser-Stausee zu versinken.
Nach einem Aufruf der UNESCO beteiligten sich alle Mitgliedsstaaten an der Rettung des
Monumentes. Von 1964-1968 wurde der Tempel in viele Einzelteile zersägt und auf einer
Anhöhe wieder errichtet.
Hier eine kleine Übersicht von weiteren Tempeln und Gedenkstätten,
die Ramses II. erbauen ließ:
- Ausbau des Tempels von Karnak und Luxor
- Vollendung des Totentempels seines Vaters Sethos I. in Gourna (Theben)
- Bau des Ramesseums, einen Totentempel auf dem Westufer von Theben

Das Ende
In seinem 66. Amtsjahr starb Ramses II. Er wurde wahrscheinlich 91
Jahre alt. Sein Grab (KV 7) wurde wahrscheinlich schon in der Antike geplündert und
ist durch Wasserschäden heute fast völlig zerstört. Ramses' Mumie fand man im großen
Mumienversteck von Deir el-Bahari. Auf den Bandagen war in hieratischer Inschrift zu
lesen, dass Ramses' Mumie erst in dem Grab seines Vater Sethos I. verlegt wurde und dann,
nachdem sie neu bandagiert wurde, in ihrem heutigen Fundort umgebettet worden ist. Nach
Untersuchungen fand man heraus, dass Ramses Arterienverkalkung und Arthrose plagte.
Außerdem hatte er sehr schlechte Zähne und einen Abszess am Unterkiefer.
Nach Ramses' Tod kam sein 13. Sohn Merenptah auf den Thron, wahrscheinlich auch schon hoch
in den Sechzigern.
Die Epoche Ramses des Großen war die letzte Glanzzeit Ägyptens.
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