Die Geschichte des Sinuhe
Die
Autobiographie des königlichen Haremsbeamten und Gefolgsmann Sinuhe aus der 12. Dynastie
ist die bekannteste und ungewöhnlichste Geschichte der altägyptischen Literatur.
Ungewöhnlich deshalb, weil sie so lebendig und ausdrucksstark geschrieben wurde und
Gefühle eine große Rolle spielen. Dies findet man nicht gerade oft in alten
Grabinschriften, in denen sich meistens nur trockene und starr erzählte Lebensgeschichten
finden, bei der nur die Aufzählung der Titel und die Glanzleistungen, die man verbracht
hat, eine Rolle spielen.
Aber nun zu der Geschichte:
Eines Tages bringt ein Bote eine Nachricht zum Kronprinzen Sesostris ins Feldlager, in der
geschrieben steht, dass sein Vater Amenemhet I. verstorben ist. Sinuhe bekommt dies
zufällig mit und gerät sofort in Panik. Den Grund dafür, erfährt der nichtägyptische
Leser nicht. Aber der ägyptische Leser kennt den tragischen Tod Amenemhet. Er ist einer
Verschwörung zum Opfer gefallen und Sinuhe als hoher Beamter muss befürchten, dass man
ihn der Mitwisserschaft beschuldigt. Deshalb flieht er durch unwegsames Gebiet, weit ab
der Straßen, nach Palästina. Dort angekommen wird er von einem Fürsten des Landes
aufgenommen, der von Sinuhe schon viel gehört hat, denn durch das hohe Ansehen am
ägyptischen Hof ist er über die Grenzen hinaus bekannt. Der Fürst gibt ihm seine
Tochter zur Frau und schenkt ihm die schönsten Länder seines Herrschaftsgebietes. Als
Befehlshaber der Truppen macht Sinuhe Karriere und beendet jeden Feldzug mit einem Sieg
und einer reichhaltigen Beute. Aber sein Reichtum und seine Beliebtheit erweckt auch bei
vielen Neid. Ein Mann von einem benachbarten Stamm - "nicht gab es
seinesgleichen" - fordert ihn zum Kampf auf, um ihn seines ganzen Reichtums
zu
berauben. Das ganze Land strömte zusammen, um Zeuge dieses spannenden Zweikampf zu sein
(die Frauen sind natürlich allesamt für den schönen und starken Sinuhe). Der Kampf
beginnt. Der Herausforderer schießt alle seine Pfeile auf Sinuhe, doch der kann jeden
geschickt ausweichen. Wütend darüber stürmt der Gegner auf ihn los, doch Sinuhe nutzt
die Gunst der Stunde und schießt einen Pfeil direkt in den Hals des Unglücklichen.
Nun kann Sinuhe viele Jahre in Frieden und Wohlstand verbringen, doch die Sehnsucht nach
seinem geliebten Ägypten wird immer größer. Ein Brief von Sesostris I. ruft ihn nach
Ägypten zurück. Bei einer Audienz, aber der sich die ägyptischen Höflinge über seine
asiatische Kleidung und Barttracht lustig machen, läuft er Gefahr die Gnade des Königs
zu verscherzen, denn die Gefühle übermannen ihn und er fällt in Ohnmacht. Aber die
Königskinder besänftigen den Pharao mit einem Lied und er schenkt Sinuhe ein Hofamt und
eine Grabstätte auf dem Friedhof der Residenz.
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