Ägyptische Religion

Götterdämmerung

Die Zerstörung des Glaubens

Schon in den Hochzeiten der ägyptischen Religion glaubten die Ägypter nicht an ein ewiges Leben ihrer Gottheiten. Antike Texte aus dem Neuen Reich sehen Thot als eine Art Schicksalsgott, der die Lebenszeit eines jeden Menschen und eines jeden Gottes bestimmte. Der Tod erwarte „jeden Gott und jede Göttin“, ist im Spruch 154 des Totenbuches nachzulesen.

Götterdammerung am Tempel von Philae

Im Philae-Tempel sieht man, wie fast überall in Ägypten, die Zerstörungswut von Christen und Reisenden. Nicht zu übersehen ist das Kreuz der Kopten (ägyptische Christen) in der Mitte. Die Göttin Isis links wurde von den Christen ausgemeißelt und Reisende hinterließen ihr Gekritzel in den Mauern des Ortes, in dem die ägyptische Religion am längsten praktiziert wurde.

Alle Götter und Menschen sind verschwunden

Ebenfalls im Totenbuch findet sich ein Dialog zwischen den Göttern Atum und Osiris:

Osiris beklagt, dass er in Millionen von Jahren, wenn die Erde wieder in das ursprüngliche Chaos vor der Schöpfung zurückfallen würde, er allein in der dunklen Finsternis weilen würde. Atum tröstet ihn mit den Worten, dass sie beide überleben würden aber nicht in ihrer göttlichen Gestalt, sondern in Form von Schlangen durch den Ur-Ozean schwimmen würden. Doch alle anderen Götter und Menschen wären verschwunden und daher wäre niemand mehr da, der die beiden erkennen und anbeten könnte.

Die Ägypter konnten zu diesen Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass der Untergang ihrer Götter nicht in den von ihnen geglaubten Millionen von Jahren, sondern schon 2000 Jahre später Wirklichkeit werden würde.

Der Aufstieg des Christentums

Die Götterdämmerung begann spätestens mit dem Aufstieg des Christentums und später mit der Verbreitung des Islams.

383 n Chr. befahl der römische Kaiser Theodosius, alle heidnischen Tempel des Römischen Reiches (und Ägypten gehörte seit 30 v. Chr. dazu) zu schließen. Aber es waren noch weitere Erlasse notwendig, um den Ägyptern ihren Glauben auszutreiben. Diese gipfelten in der Zerstörung der heidnischen Bauwerke. Götterbilder wurden ausgemeißelt, Wände neu verputzt, ganze Anlagen mutwillig zerstört oder für andere Zwecke benutzt.

Die Ägypter gaben ihren alten Glauben aber nicht so leicht auf. Noch im Jahr 452 n. Chr. reisten Pilger nach Philae, um die Statue der Göttin Isis nach Süden zu tragen, wo sie die nubischen Götter besuchen sollte. Erst 537 n. Chr. vetrieb Justinian I. die Priester aus dem Tempel der Isis und schloss ihn für immer.