Flüche, Totenopfer, Briefe – Die Lebenden und die Toten

Briefe mit guten Wünschen an die Toten

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An die lieben (verstorbenen) Verwandten

Mit ihren Sorgen und Bedürfnissen wandten sich die Ägypter nicht nur an ihre Götter, sondern auch an ihre seligen Verstorbenen, die ja nunmehr als vergöttlichtes Ach-Wesen durch die Unterwelt streiften, aber andererseits auch die Lebenden besuchen konnten.

Die Hinterbliebenen schrieben kleine Texte auf Tongefäße, Leinen oder Papyrus. Sie waren wie Briefe verfasst, mit Empfänger, Absender und manchmal auch mit einer kleinen Grußformel und der Nachfrage nach dem Befinden des Verstorbenen. Die Verwandten legten in den Kultraum des Grabes ihre mit Bitten beschrifteten Tonschalen, in die sie kleine Leckereien legten, um den Verstorbenen für ihr Anliegen zu erwärmen.

Alltägliche Anliegen und Vertreibung böser Gesiter

Die Verwandten hatten meist alltägliche Anliegen, die oft mit der Familie selbst zu tun hatten. Dies konnten Familienstreitigkeiten sein, die der Verstorbene schlichten sollte, Krankheiten sollte er heilen oder den Kinderwunsch einer Frau erfüllen.

Die gefunden Texte sprechen oft von bösen Geistern, von der die Familie heimgesucht wurde und die der Tote wieder vertreiben sollte. “Da Du auf Erden eine glänzende Position innehattest, wird Deine Position in der Totenstadt eine gute sein.”, appelliert der Verfasser eines Briefes an den Verstorbenen, der sein Anliegen erfüllen sollte. Seine gute Stellung würde es ihm doch sicher ermöglichen, die bösen Geister von seiner Familie fernzuhalten.

Ein anderer Bittsteller listet seine guten Taten auf, die er zu Lebzeiten des Toten für diesen getan hatte. Und dieser sei ihm deswegen ja wohl noch was schuldig.

Mal geschwätzig, mal unterwürfig

Der Ton der Briefe an die Toten ist immer sehr persönlich gehalten, mal geschwätzig, mal unterwürfig, manchmal sogar vorwurfsvoll. Ein Witwer beklagt sich bei seiner verstorbenen Ehefrau, warum sie gegen ihn Groll hege. Er habe sie doch immer gut behandelt und ihren Totenkult ordnungsgemäß durchgeführt. Die Verstorbenen konnten nämlich nicht nur Gutes tun, sondern den Menschen auch schaden.