Tutanchamun

Woran starb Tutanchamun?

Alte und neue Mordtheorien

Nur 19 Jahre wurde der Kindkönig alt – Anlass für viele Spekulationen. Wie starb der junge Pharao? Eines natürlichen Todes oder war es etwa Mord? Noch bis vor kurzem grassierte die Vermutung, Tutanchamun wäre ermordet worden. Und es gab tatsächlich einige Anzeichen dafür.

Der Schlag auf dem Hinterkopf

1925 ließ Howard Carter, der Entdecker des Grabes, eine anatomische Untersuchung der Mumie durchführen, die aber eher einem Ausschlachten als einer Autopsie glich. Die Salben, mit denen die Bandagen der Mumie getränkt waren, klebten wie Leim an der Mumie. Als Carters Team versuchte, die Mumie von dem Sarkophag zu lösen, fügte man ihr erheblichen Schaden zu. Als sie dann Stück für Stück untersucht wurde, fand man wegen der geringen technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit nichts Besonderes. 1968, nach 40 Jahren, erhielt ein Forscher der Liverpooler Universität die Erlaubnis, die Mumie zu röntgen und machte ein paar erstaunliche Entdeckungen:
Ein Knochensplitter wurde im hinteren Kopfraum gefunden, außerdem entdeckte man einige Knochenbrüche. Vor allem der Knochensplitter im Hinterkopf führte zu wilden Mord-Spekulationen. Geschichten, in denen mal der alte Eje, mal der machtgierige General Haremhab nach der Krone dürsteten und somit den ungeliebten König mit einem hinterhältigen Schlag auf dem Hinterkopf aus dem Weg räumten, machten die Runde. Doch 2005 verstummten die Gerüchte, bzw. die Mordtheoretiker verlagerten den Todesstoß nun weiter nach unten.

Doch kein Mord

CT Scan von Tutanchamun

CT-Scan von Pharao Tutanchamun aus dem Jahr 2005
Mit freundlicher Genehmigung
© Siemens AG

Am 05.01.2005 holte man Tutanchamuns Mumie aus ihrem Grab und ließ sie mit einem hochmodernen CT-Scanner durchleuchten. Dabei entstanden innerhalb einer Viertelstunde über 1700 Aufnahmen, die Tut’s Körper erstmals in dreidimensionalen Schichtbildern zeigten (siehe Bild rechts). Die Mordtheorie mit dem Schlag auf dem Hinterkopf konnte schnell widerlegt werden. Die losen Knochensplitter im Hinterkopf wurden erst durch den Einbalsamierungsprozess der Mumie zugefügt, die Knochenbrüche durch die schlechte Behandlung durch Carters Team. Zahi Hawass, der damalige Leiter der ägyptischen Altertümerverwaltung, stellte auf einer Pressekonferenz klar, dass weder ein gewaltsamer Tod festgestellt werden konnte, noch Hinweise darauf, dass Tut durch einen Unfall, bei dem der Brustkasten eingedrückt wurde, oder durch einen Schlag gegen das Hinterhaupt ums Leben gekommen ist. Frühere Theorien waren somit widerlegt.

Neue Todestheorien

Ein internationales Forscherteam (u.a. mit dem Leiter des Swiss Mummy Projects Dr. Dr. Frank Rühli) entdeckte mit Hilfe der CT-Scans Erstaunliches.

Ein Sturz?

Die Forscher entdeckten auf den CT-Scans einen komplizierten Bruch des linken Oberschenkels. Die Wunde könnte sich entzündet haben und Tutanchamun an dieser Infektion gestorben sein. An der Bruchstelle wurden Reste von einer Flüssigkeit gefunden, die wahrscheinlich von der Einbalsamierung stammte. Theoretisch könnte sie aber auch aus Versehen von Carters Team in den von ihnen zugefügten Bruch gepresst oder der Bruch durch eine der Einbalsamierungsflüssigkeit ähnliche Substanz kaschiert worden sein. Wenn allerdings die antiken Einbalsamierer die Flüssigkeit in die Wunde des Bruches gegossen haben, war sie also bei der Mumifizierung noch offen. Ein Schwertstreich? Ein Sturz vom Streitwagen? Vielleicht fiel der Pharao aber auch einfach nur aufgrund seiner Behinderung am linken Fuß unglücklich hin und brach sich so den Oberschenkel.

Für die Forscher in der BBC Dokumentation “Tutankhamun: The Truth uncovered” von 2014 scheint ein Streitwagenunfall so gut wie ausgeschlossen. Sie konnten einen genetisch bedingten Knochenschwund feststellen, der es Tutanchamun zusammen mit seinem Klumpfuß unmöglich machte, einen Streitwagen zu fahren.

Oder Malaria?

Eine weitere Untersuchung an Tutanchamuns Mumie ergab, dass er neben diversen anderen Krankheiten und Gebrechen, (siehe Tutanchamuns Aussehen) auch an einer schweren Form von Malaria litt. In seinem Körper wurden Reste des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum gefunden. Diese Krankheit muss aber nicht unbedingt tödlich verlaufen sein. Vielleicht war es aber auch die Verbindung von allen drei Krankheiten, die letztendlich zum Tod führte. Einem Menschen vor 3000 Jahren, der durch seine Knochenerkrankung am Fuß sowieso schon geschwächt war, dann noch an Malaria litt und sich eventuell sogar den Oberschenkel gebrochen hatte, wird es nicht besonders gut ergangen sein. Zumindest fand man im Grab Pflanzen, die zur Senkung von Fieber verwendet wurden. Letztendlich wird Tutanchamuns Todesursache aber wahrscheinlich immer ein Geheimnis bleiben.