Ägyptische Religion

Die Gestalt des Göttlichen

Eine Gottheit hatte in der Religion der Ägypter nicht nur eine einzige Gestalt, sondern gleich mehrere. Die Göttin Hathor sehen wir als Frau mit Kuhkopf, als Frau mit Kuhohren oder komplett als Kuh. Aber sie konnte auch eine völlig andere Gestalt als löwenköpfige Göttin annehmen, um hier nur ein Beispiel zu nennen.

Warum gab es so viele Darstellungsformen?

Aber warum gab es in der ägyptischen Religion so viele unterschiedliche Darstellungsformen? Hathor ist nicht einfach nur „eine Frau mit Kuhkopf“ sondern sie wird als Kuh oder mit Attributen einer Kuh dargestellt, weil sie das sanftmütige Wesen dieses Tieres besitzt. Andererseits wird sie auch als Löwin dargestellt, weil die Ägypter glaubten, sie hätte ebenso das wilde Wesen einer Löwin.

Die Ägypter hatten also keine feste Formel, die besagte ‚der Gott sieht so und so aus‘, sondern eher ‚der Gott hat die und die Eigenschaft‘, also überlegen wir, welche Tiere, Pflanzen oder Gegenstände dazu am besten passen würden und stellen ihn dementsprechend dar.

Der Nilgott Sobek erscheint in der Gestalt eines Krokodiles, der Kriegsgöttin Neith gaben die Ägypter Pfeil- und Bogen in die Hand. Der Göttin Selket, die u.a. vor Skorpionstichen schützen soll, setzten sie einen Skorpion auf dem Kopf, usw.

Die Göttin Isis

Die Ptolemäer setzten der Göttin Isis ihr Symbol, den Thron, auf ihren Kopfschmuck, der hier aus Sonnenscheibe und Kuhgehörn besteht. So kann sie auf den ersten Blick von der Göttin Hathor unterschieden werden, die auf Darstellungen oft die gleichen Attribute trägt.
Tempel von Dendera
Griechisch-römische Zeit

Wenn die Ägypter das sanftmütige Wesen der Göttin Isis hervorheben wollten, wurde sie wie Hathor als Frau mit Kuhkopf dargestellt. So ist es oft nicht einfach, den dargestellten Gott alleine anhand seines Aussehens zu identifizieren. Auf Gräbern und Tempelwänden finden wir oft den Namen des Gottes in Hieroglyphen. Auf Statuen und Amuletten haben wir leider seltener dieses Glück.

Niemand kannte de wahre Gestalt des Göttlichen

Die Darstellung eines Gottes war übrigens nur der Versuch, das Göttliche in bildlicher Form zu zeigen. Nach dem Glauben der alten Ägypter, kannte kein lebender Mensch die wahre Gestalt des Göttlichen. Nur in einem Traum oder als Verstorbener konnte er in das wahre Antlitz der Götter schauen. Und dies war nach dem Glauben der alten Ägypter ein berauschender Anblick. Ramses II. beschrieb seinen Körper aus Gold, seine Knochen aus Silber und seine Gliedmaßen aus Eisen und setzte sich damit den Göttern gleich.